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Ungereimtheiten im Motassadeq-Prozess

Im neuaufgelegten Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 haben Zeugen am Mittwoch ein widersprüchliches Bild des mutmaßlichen Terrorhelfers Mounir El Motassadeq gezeichnet.

dpa HAMBURG. Im neuaufgelegten Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 haben Zeugen am Mittwoch ein widersprüchliches Bild des mutmaßlichen Terrorhelfers Mounir El Motassadeq gezeichnet.

"Eine starke Veränderung ins Fanatische habe ich nicht bei ihm festgestellt", sagte ein Nachbar und Freund Motassadeqs vor dem Hamburger Oberlandesgericht aus. Der 30-jährige Sudanese widerrief ausdrücklich eine frühere Aussage, nach der er bei dem Angeklagten eine "krasse" islamistische Entwicklung beobachtet hatte.

Hingegen beschrieb ein ehemaliger Mitbewohner den Angeklagten als Mann mit teils extremistischen Ansichten. Er habe eine antiamerikanische und antisemitische Haltung gehabt, sagte der heute 34-jährige Bauingenieur. Einmal habe Motassadeq zu ihm gesagt: "Das was Hitler mit den Juden gemacht hat, war gar nicht so schlimm." Ein anderes Mal habe er bei ihm ein Video gesehen, auf dem seiner Einschätzung nach der Top-Terrrorist Osama bin Laden zu sehen war. Motassadeq habe kommentiert: "Das ist ein wichtiger Mann."

Zu dem späteren Todespiloten Mohammed Atta habe der Angeklagte eine "innige Beziehung gehabt", sagte der Zeuge, der mit Motassadeq von 1993 bis 1997 in der Wohngemeinschaft lebte und der bei ihm eine Veränderung festgestellt haben will. "Anfangs war Mounir offen. Doch zum Schluss lebte er nur noch in seiner eigenen islamischen Welt."

Der andere Zeuge sagte hingegen: "Ich glaube fest, dass Motassadeq nichts von den Anschlägen auf das World Trade Center wusste." Er hatte den Marokkaner 1997 in dem Studentenwohnheim in Hamburg kennen gelernt und über ihn auch Mohammed Atta. Dieser sei ihm durch "religiös aggressive" Überzeugungen aufgefallen, berichtete der Sohn eines sudanesischen Diplomaten. Motassadeq habe sich hingegen in Diskussionen zurückgehalten. "Wenn Sie mich fragen, ob Motassadeq genau wie Atta war, dann sage ich Nein."

Am Vortag hatte ein zum Islam konvertierter 23-jähriger Deutscher ausgesagt, dass Motassadeq zum engen Kreis um Atta gehört und dessen radikale Ansichten geteilt habe. Motassadeq wird im Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer Terror-Gruppe vorgeworfen. Der 30-jährige Marokkaner soll als Vertrauter Attas in die Anschlagsplanung eingebunden gewesen sein. Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte ihn in einem ersten Prozess im Februar 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später wieder auf.

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