Ungewisse Geschäftsentwicklung
Tourismus-Branche steht vor vielen Fragezeichen

Die Tourismus-Branche steht im kommenden Jahr vor einer relativ ungewissen Geschäftsentwicklung. In vielen Prognosen scheint Zweckoptimismus zu stecken.

vwd HAMBURG. Denn die Faktoren, die für ein gutes oder schlechtes Touristikjahr ausschlaggebend sein werden, sind derzeit nicht absehbar. Analysten sprechen daher auch, befragt auf ihre Erwartungen, zumeist von einem "verhaltenen Optimismus", weisen aber auch darauf hin, dass die Schätzungen mit Unsicherheit behaftet sind.

Zu den wichtigsten Variablen gehört sicherlich die Frage eines Irakkrieges. Hinzu kommt die Gefahr weiterer Terroranschläge (Stichwort Djerba, Bali). Und auch das Konsumklima auf dem wichtigen deutschen Markt stellt sich alles andere als rosig dar. Sollte es aber zumindest bei den externen Faktoren nicht zu großen Verwerfungen kommen, erwartet Analyst Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank für das kommende Jahr ein europaweites Umsatzwachstum von rund drei Prozent. Raimon Kauffeld von der DZ Bank ist etwas optmistischer und sieht das Plus bei sechs bis sieben Prozent.

Kauffeld sieht dabei allerdings ein leicht sinkendes Preisniveau, vor allem die Preisgestaltung der Budget-Anbeiter wie AirMarin oder Alltours liege aktuell um vier bis fünf Prozent unter Vorjahr. Um die Margen wenigstens stabil zu halten, müssten also die Kostenstrukturen unter Kontrolle gebracht werden. Ansätze sind hier sichtbar, so führt der größte europäische Anbieter Tui auf breiter Front flexible Arbeitszeitmodelle ein, setzt auf Zeitarbeitskräfte oder hat Stellen bereits ganz gestrichen. Gleiches tat bereits der größte Konkurrent Thomas Cook, wo 500 Stellen wegfielen.

Weitere Themen in der Branche sind Outsourcing und die Verschlankung der Verwaltungsapparate. Zudem sei eine "starke Kapazitätsdisziplin" bei Hotels und Flügen bereits bei den großen Anbietern zu verzeichnen gewesen, so Obst. Summasummarum dürften sich seiner Schätzung zufolge die Ergebniss daher besser als die Umsätze entwickeln.

Ein weiteres, mehr internes Problem, wird die großen Veranstalter ebenfalls im kommenden Jahr beschäftigen: Die Stärkung der eigenen Marke. Denn nur mit einer Schärfung des Profils und der entsprechenden Kundenbindung können die entsprechenden Volumina an Kunden erreicht und so die Margen verbessert werden. Tui hat alle Konzernmarken mit seinem Smiley-Logo besetzt. Thomas Cook tritt ebenfalls seit kurzem unter einer einheitlichen Marke auf, MyTravel hat dabei noch etwas Probleme. Die Markenstärke in der Touristik ist allerdings bislang nur geringfügig entwickelt, so dass hier noch großes Potenzial vorhanden ist.

Zudem könnte es 2003 zu einer maßgeblichen Konsolidierung auf dem britischen Markt kommen. Das wahrscheinlichste Szenario ist nach Meinung von Branchenexperten, dass sich die krisengeschüttelte My Travel Group plc, London, mit First Coice zusammenschließt, nachdem dieses Vorhaben vor drei Jahren auf Grund von Bedenken seitens der EU-Wettbewerbsbehörde gescheitert war.

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