Ungewisse Zukunft
VW leidet auch unter hausgemachten Problemen

Die Autokrise hat die lange VW-Rekordfahrt gestoppt. Gleichzeitig blicken die Wolfsburger angesichts andauernder Konjunkturschwäche und vieler hausinterner Probleme in eine ungewisse Zukunft.

HB/dpa WOLFSBURG. 2002 sackte der Reingewinn um 11,3 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro ab. Dagegen fiel der Umsatz lediglich um 1,8 Prozent auf 86,95 Milliarden Euro, teilte der Autohersteller am Mittwoch mit. Einen Ausblick auf 2003 gab VW nicht. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder hat aber mehrfach erklärt, er rechne erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung und 2004 mit einer Wende.

"Die Zahlen sind ein Non-Event, weil sie voll in den Erwartungen liegen", kommentierte ein Analyst. Tatsächlich verraten die Daten aber einiges über Probleme des Konzerns, die der neue Chef Pischetsrieder binnen Jahresfrist noch nicht entscheidend verändern konnte: Das erlahmende Interesse an dem in die Jahre gekommenen Golf und die erst jetzt mit dem Touran geschlossene Lücke im Wachstumssegment Mini-Van haben Absatz und Marktanteile gekostet. Bei der schwachen Konjunktur hat vor allem die völlig unerwartete Wachstumsexplosion in China den Konzern vor einem noch tieferen Absturz bewahrt. So gab es lediglich ein Absatzminus von 1,9 Prozent auf 4,98 Millionen Fahrzeuge.

Doch gleichzeitig mit dem Gewinneinbruch muss das Unternehmen für neue Modelle tief in die Tasche greifen: Mit 9,12 Milliarden Euro lagen die Investitionen 2002 gleich um 17,5 Prozent über denen von 2001, als Ferdinand Piëch mit einem rauschenden Ergebnis von der Autobühne abtrat. Deshalb ging das operative Ergebnis als Hinweis auf die effektive Geschäftspolitik um 12,2 Prozent auf 4,76 Milliarden Euro zurück. Beim Vorsteuergewinn gelang mit einem Minus von 9,6 Prozent auf 3,99 Milliarden Euro die Punktlandung, nachdem Pischetsrieder im Sommer die Prognose entsprechend nach unten korrigiert hatte.

Der Bayer badet jetzt einige Folgen Piëch'scher Politik aus: Viele Konzernprodukte sind sich zu ähnlich, die Zyklen wichtiger Modelle wie Golf und Passat liegen zu dicht beieinander. Und auch in Sachen Qualität muss Pischetsrieder nacharbeiten - die selbst ernannte Premiummarke VW musste kurz nacheinander gleich zwei peinliche Rückrufaktionen wegen technischer Probleme mit Motoren starten. Neben einem dreistelligen Millionenaufwand ist der Imageschaden nach Eingeständnis von Vorstandsmitgliedern kaum absehbar.

Auch der von Piëch betriebene Einstieg in das Luxussegment gelingt nur mit Stolpern. Nachdem sich der intern zunächst hoch gelobte W-8- Motor schon im Passat als nicht zugkräftig genug herausstellte, musste für den Phaeton ein anderes 8-Zylinder-Triebwerk her. Da auch der von Kunden gewünschte 10-Zylinder-Diesel im Phaeton lange fehlte, läuft der Absatz nicht wie gewünscht.

Angesichts dieser Pannen bröckelt die zuvor nach außen hin demonstrierte Geschlossenheit der Vorstandsriege. "Der hat jetzt völlig die Nerven verloren", urteilte ein Aufsichtsratsmitglied der Arbeitnehmerseite im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über Konzern- Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer. Der hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Sachen Phaeton-Motorenprobleme deutlich Richtung Technik-Vorstand Folker Weißgerber gezeigt. "So ein Schwarzer-Peter-Spiel schadet doch allen", rüffelt ein VW-Vorstand.

Tatsächlich deuten nicht nur öffentlich ausgetragene Scharmützel auf Wechsel im Vorstand: Wenn der mächtige VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert kritisiert, ihm bleibe das Vertriebskonzept für den Phaeton schleierhaft, hat Büchelhofer als Verantwortlicher allen Grund zur Nervosität. Und wenn im Wirtschaftsmagazin "Capital" lanciert wird, dass in den vergangenen drei Jahren von 53 Produktanläufen 48 nicht zum geplanten Zeitpunkt gelangen und so Milliardenkosten entstanden, dürfte sich der verantwortliche Vorstand Weißgerber ebenfalls nicht beruhigt zurücklegen.

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