Ungewöhnlicher Weg zum Schutz der Familie
Bischof fordert Steuernachteile für Geschiedene

Die Ehescheidung hat nach Ansicht des neuen Erzbischofs von Sydney, George Pell (60), Australien seiner Kraft beraubt und sollte durch Steuernachteile sowie Geldbußen für den "schuldigen Teil" bestraft werden.

dpa SYNDEY. "Warum sollte die Ehe der einzige Vertrag sein, den die Leute ungestraft brechen können?", erklärte Pell am Freitag in Sydney. Die Regierung in Canberra rief der erst im Mai in sein Amt eingeführte Erzbischof dazu auf, "sich endlich aufzuraffen und für den Schutz der Familie auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten".

So forderte der in der Öffentlichkeit bereits sehr umstrittene Erzbischof außer der Geldstrafe für "schuldig Geschiedene" auch einen nach Jahren gestaffelten Steuernachlass für "Marathon-Ehen" mit vielen Kindern. "Wir könnten die Rentenhöhe an die Zahl der Kinder eines Ehepaares koppeln oder ihren Steuersatz jeweils um ein Prozent pro Ehejahr und pro Kind unter 18 Jahren senken", schlug der Geistliche vor. Wie in den "goldenen 50er Jahren", in denen die Männer arbeiten gingen und die Frauen zuhause blieben, sollte das Steuersystem gezielt wieder die Ganztags-Mutter begünstigen, forderte Pell.

Pells Thesen riefen sofort die Kritiker auf den Plan. So bezeichnete der führende Jurist Robert Benjamin von der Law Society das Ansinnen Pells, die Institution der Ehe auf dem Umweg über eine "Scheidungssteuer" stabilisieren zu wollen, als "absurd". Andere Kommentatoren fragten sich, warum die katholische Kirche die so gepriesenen Segnungen von Ehe und Familie als Grundstock der Gesellschaft ihren eigenen Priestern so hartnäckig vorenthalte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%