Ungläubigkeit in Frankreich
Chirac nahm Anschlag gelassen

In Frankreich haben am Montag am Tag nach dem Attentatsversuch auf Präsident Jacques Chirac Ungläubigkeit und Sorgen über die Sicherheit geherrscht. Chirac selbst habe die von einem offenbar geistig verwirrten Neo-Nazi verübte Tat gelassen aufgenommen, sagte Innenminister Nicolas Sarkozy.

Reuters PARIS. Der 25-jährige Maxime Brunerie war am Sonntag von Passanten überwältigt worden, als er mit einem Sportgewehr auf den etwa 100 bis 150 Meter entfernten Chirac schoss, der in einem offenen Fahrzeug an der Parade zum Nationalfeiertag teilnahm. Nach Polizeiangaben räumte Brunerie ein, er habe Chirac töten wollen, "um Frankreich zu retten". Seine zusammenhanglosen Erklärungen hätten aber eher den Eindruck einer geistigen Störung vermittelt.

Die französischen Medien gingen mit dem Vorfall am Montag unterschiedlich um. Während einige diesen zur Titelgeschichte machten, beschäftigten andere sich auf der Titelseite mit dem Fernsehinterview, das Chirac nach Abschluss der Parade gab. Innenminister Sarkozy sagte am Sonntagabend, als man Chirac vor dem Interview auf den Vorfall hingewiesen habe, habe er lediglich gesagt: "Oh, wirklich?" Chirac habe dann zu den drei Fernsehjournalisten gesagt, das Thema sei nicht wichtig genug, um es zur Sprache zu bringen, woran sich die Journalisten hielten.

Verwirrter Einzeltäter

Ein Polizeisprecher sagte im Fernsehsender LCI, mindestens 2 500 Sicherheitsbeamte hätten die Parade aus Anlass der Erstürmung der Bastille geschützt. Hier habe es sicherlich keine Fehler gegeben. Hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht.

Die Wohnung in Courcouronnes südlich von Paris, in der Brunerie zusammen mit seinen Eltern gewohnt hat, wurde durchsucht. "Er war jemand, der sehr ruhig und zurückhaltend wirkte", sagte eine Nachbarin dem Fernsehsender France 2.

Ein Sprecher der Polizeigewerkschaft Force Ouvriere sagte, man habe es offenbar mit einem verwirrten Einzeltäter zu tun. Bei einer Tat mit terroristischem Hintergrund hätte der Mann eine Waffe mit größerem Kaliber benutzt. In London erklärte der unter anderem durch seinen Thriller "Der Schakal" bekannt gewordene Schriftsteller Frederick Forsyth, der Mann sei nun wirklich kein Schakal gewesen. In dem Roman plant der "Schakal" minutiös einen Anschlag auf den früheren französischen Präsidenten Charles de Gaulle. "Der Mann war offensichtlich ein kompletter Idiot", sagte Forsyth dem "Daily Telegraph".

Gewehr im Gitarrenkoffer

Sarkozy sagte, der Schütze habe seine Waffe in der vergangenen Woche legal erworben, den Kauf allerdings nicht den Behörden gemeldet, wie es das Gesetz vorschreibe. Er habe eine Untersuchung angeordnet, wie es zu dem Vorfall habe kommen können. "Es ist nicht normal, dass in einer Demokratie jemand versucht, den Präsidenten zu töten", sagte der Minister.

Augenzeugen berichteten, der Mann habe sein Gewehr aus einem Gitarrenkoffer geholt, als Chirac am Morgen zu Beginn der Militärparade um den Triumphbogen gefahren worden sei. Er wurde dann überwältigt und wenig später von der Polizei abgeführt.

Die Parade auf den Champs Elysees zu Ehren des Sturms auf die Bastille 1789 wurde ohne Unterbrechung fortgesetzt. Sie stand in diesem Jahr im Zeichen der französisch-amerikanischen Freundschaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%