Unglück in der Barentsee
Rettungsversuche für Atom-U-Boot bisher erfolglos

Großbritannien und Norwegen bereiteten sich auf einen Einsatz in der Barentssee vor. Ein britisches Mini-U-Boot soll am Samstag an der Unglücksstelle ankommen.

Reuters MURMANSK. Die russische Marine ist auch in der Nacht zum Donnerstag mit Versuchen gescheitert, 118 Seeleute aus dem gesunkenen U-Boot "Kursk" zu retten. Es habe keinen Fortschritt gegeben, sagte ein Marine-Sprecher am Donnerstagmorgen in Seweromorsk. Starke Strömungen und schlechte Sicht unter Wasser erschwerten die Arbeit. Auch Großbritannien und Norwegen bereiteten sich auf einen Rettungseinsatz in der Barentssee vor. Ein britisches Mini-U-Boot wurde auf ein Schiff im norwegischen Trondheim verladen. Es sollte am Samstagnachmittag an der Unglücksstelle ankommen, um sich um die Rettung der Seeleute zu bemühen. Norwegen schickte nach offiziellen Angaben ein Schiff mit Tauchern in die Region.

Die Rettungsarbeiten würden fortgesetzt und es bestehe noch Hoffnung, die Besatzung lebend zu retten, teilte die Marine mit. Es würden alle drei verfügbaren Rettungskapseln eingesetzt. Mindestens vier Rettungsversuche waren wegen starken Seegangs gescheitert. Der staatliche russische Fernsehsender RTR berichtete, das Wetter habe sich am Morgen verbessert.



Klopfzeichen verstummt

Nach Angaben der russischen Marine waren bis Dienstag noch Klopfzeichen der Besatzung wahrgenommen worden. Am Mittwoch seien sie jedoch verstummt. Der russische Marine-Admiral Wladimir Kurojedow hatte gesagt, die Sauerstoff-Reserven seien möglicherweise erst in der kommenden Woche verbraucht. Zuvor hatte es geheißen, der Sauerstoff reiche nur bis Freitag.



US-Geheimdienst bezweifelt Lebenszeichen

Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes zweifelte indes an, dass nach dem Sinken der "Kursk" überhaupt noch Lebenszeichen empfangen worden seien. Dem Geheimdienst lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass nach der Havarie am Wochenende Klopfzeichen gehört worden seien, sagte der Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte.



Einsatz eins britischen Mini-U-Bootes

Nach Angaben der norwegischen Regierung stach am Mittwoch ein Schiff mit zwölf bis 15 Tauchern in See, dass in der Nacht zum Samstag an der Unglücksstelle eintreffen soll. Die Taucher sollten den Einsatz des britischen Mini-U-Bootes begleiten. Der Rettungseinsatz werde von Russland geleitet. Russland hatte zuvor Hilfsangebote aus dem Ausland ausgeschlagen. Der Vizestabschef der russischen Marine, Wladislaw Iljin, sagte im Fernsehsender RTR, Putin habe Anweisung gegeben, "Hilfe anzunehmen, egal von wem".



Kritik an Putin

Russische Zeitungen äußerten Kritik an Putin, der derzeit am Schwarzen Meer Urlaub macht. "Man kann Putin wirklich nur um seine Nerven beneiden", schrieb die "Moskowski Komsomolez". Es sei zwar nicht bekannt, wann Putin über die Havarie unterrichtet worden sei, er habe jedoch erst Mittwoch offiziell Stellung genommen.

Zu der Besatzung der "Kursk" besteht seit dem Sinken am Wochenende kein Funkkontakt mehr. Unglücksursache war russischen Angaben zufolge vermutlich eine Explosion in der vorderen Torpedokammer. Zunächst war auch eine Kollision mit einem anderen U-Boot nicht ausgeschlossen worden. Die Reaktoren des atomgetriebenen U-Boots wurden daraufhin abgeschaltet. Das bedeutet, dass die Seeleute ohne Strom in völliger Dunkelheit in dem Schiff in rund 100 Metern Tiefe auf die Rettung harren. Erhöhte radioaktive Strahlung wurde nach norwegischen Angaben nicht gemessen. Nach russischen Angaben hat die "Kursk" keine Atomwaffen an Bord.

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