UNICEF: Offenbar keine "leidenden Kinder" an Bord
Mutmaßliches Kindersklaven-Schiff in Benin eingetroffen

Die zweiwöchige Irrfahrt eines vor Westafrika vermissten Schiffs mit mutmaßlichen Kindersklaven an Bord ist beendet: Am Dienstag ging der Frachter "Etireno" in Benin vor Anker. Eine UNICEF-Sprecherin sprach gegenüber dem britischen Rundfunksender BBC von einem "glücklichen Ende". Unter den insgesamt 147 Passagieren habe sie keine "leidenden Kinder" gesehen. Es seien weniger als 30 Heranwachsende an Bord gewesen.

afp LONDON/COTONOU. UNICEF hatte zuvor von bis zu 250 Kindersklaven gesprochen. Ob die Heranwachsenden an Bord Opfer von Menschenhändlern wurden, blieb weiter unklar. Die Sprecherin räumte ein, vor der Küste kreuze möglicherweise noch ein zweites Schiff mit mehr Kindern. In Westafrika gibt es einen schwunghaften Handel mit Kindern, die als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Die erschöpften Passagiere der "Etireno" wurden am frühen Dienstagmorgen im Hafen von Cotonou von Vertretern von Hilfsorganisationen, des örtlichen Roten Kreuzes, der Polizei sowie zwei Mitgliedern der Regierung von Benin in Empfang genommen. "Leider hatte niemand von ihnen Papiere", sagte die UNICEF-Sprecherin. "Es lässt sich daher nur schwer feststellen, zu wem sie gehören." Die Passagiere sagten einem Journalisten, die Behörden von Gabun hätten Anfang April bei einem Zwischenstopp in der Hauptstadt Libreville ihre Ausweise zerstört.

Eine Vertreterin der Hilfsorganisation Terre des Hommes sagte, in Einzelgesprächen mit den Kindern müsse nun geklärt werden, ob sie Opfer von Sklavenhändlern geworden seien. Nach ihren Angaben waren 23 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren und rund 20 Jugendliche an Bord. Offenbar seien einige Kinder in Begleitung ihrer Eltern gewesen.

Leider kein Einzelfall

Das Schiff war zwei Wochen lang vor der Westküste Afrikas umhergeirrt. Die Behörden Kameruns und Gabuns hatten das Schiff vergangene Woche in ihren Häfen abgewiesen und damit UNICEF auf den Plan gerufen. In Benin hätte der Frachter bereits am Wochenende einlaufen sollen. Gegen den beninischen Kapitän und die Crew laufen internationale Haftbefehle.

Nach Angaben von terre des hommes Deutschland ist der Fall der "Etinero" für Westafrika typisch. Die Zahl der Kinder, die unter falschen Vrsprechungen Opfer krimineller Schlepper würden, gehe in die Zehntausende, erklärte die Organisation in Osnabrück. Betroffen sind der Hilfsorganisation zufolge zum einen rund 20 000 Kinder - vorwiegend Jungen - aus Mali. Sie würden auf den Plantagen der Elfenbeinküste zur Arbeit gezwungen. Dort seien sie im Anbau von Kaffee, Kakao, Bananen oder Baumwolle beschäftigt. Auf einer zweiten Route des Kinderhandels würden Jungen und Mädchen aus Benin und Togo nach Gabun und Nigeria geschafft. Dies geschehe wie bei der "Etinero" häufig mittels einer gefährlichen Schiffsreise durch den Golf von Guinea.

Der deutsche UNICEF-Sprecher Rudi Tarneden sagte im ZDF, viele Familien in Westafrika gäben ihre Kinder gutgläubig in die Hand von Kriminellen, die ihnen Arbeit versprächen. Um den Kinderhandel zu begrenzen sei es daher wichtig, für arme Familien alternative Einkommensquellen zu schaffen.

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