Unicef-Studie
Noch 41 Prozent aller Babys weltweit ohne Geburtsschein

Fast jedes zweite Baby, das das Licht der Welt erblickt, wird nicht registriert und hat damit weder eine offizielle Identität noch eine Staatsbürgerschaft.

dpa NEW YORK. Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schätzt, dass im Jahr 2000 gut 50 Millionen Babys - oder 41 Prozent aller Neugeborenen - ohne Geburtsschein den Weg ins Leben antraten. Das bedeutet, dass ihnen in späteren Jahren der Schulbesuch, ein Pass, die Eröffnung eines Bankkontos und eine amtliche Eheschließung verwehrt werden könnnen.

«Ein Geburtsschein ist eines der wichtigsten Dokumente, das ein Mensch in seinem Leben braucht», schreibt Unicef-Direktorin Carol Bellamy in einem Bericht, der am Dienstag zeitgleich in New York und Genf vorgestellt wurde. «Wenn wir Babys nicht gleich bei der Geburt anmelden, haben sie es ihr Leben lang schwer. Nicht registrierten Kindern mangelt es an Schutz gegen Missbrauch und Ausbeutung. Sie sind ein leichter Fang für Menschenhändler und für Banden, die sich durch illegale Adoption bereichern...».

Der Unicef-Studie zufolge sind in 19 Ländern mehr als 60 Prozent der Kinder nicht registriert. In Ländern Afrikas südlich der Sahara lag der Anteil nicht erfasster Kinder in 2000 sogar über 70 Prozent, in Südasien bei 63 Prozent. In China dürfte die Zahl der Kinder ohne Geburtsschein sechs Millionen betragen. In Indonesien, dem Land mit der viertgrößten Bevölkerung weltweit, haben 37 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren keinen Nachweis ihres Namens, ihres Alters und ihrer Staatszugehörigkeit.

Selbst in der Türkei sind noch 26 Prozent der jüngsten Generation unter fünf Jahren nicht amtlich erfasst. Dabei ist der Geburtsschein in diesem Land die Voraussetzung für ein Schulabschlusszeugnis, heißt es in dem Unicef-Bericht. In Kamerun, Lesotho, den Malediven, Sudan und Jemen werden Kinder ohne Geburtsschein nicht einmal in die Grundschule gelassen. In Tansania gibt es keinen Universitätsbesuch ohne das Dokument, und in Sri Lanka ist es Bedingung für die Teilnahme an Prüfungen. Malaysia verlangt einen Geburtsschein für den Antrag auf ein Stipendium.

Dabei spricht Paragraf 7 der Kinderrechtskonvention jedem neuen Erdenbürger das Recht auf seine amtliche Erfassung gleich nach der Geburt, auf einen offiziellen Namen und die Nationalität zu. Der Unicef-Bericht fordert deshalb alle Regierungen weltweit auf, Eltern die kostenlose Anmeldung ihres Kindes zu ermöglichen und diese am besten mit anderen Leistungen wie Impfungen für das Baby und später die Einschulung zu verknüpfen.

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