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Unicef: Über eine Milliarde Kinder leben in Armut

Fast jedes zweite Kind auf der Welt lebt im Teufelskreis der Armut. Mehr als einer Milliarde Mädchen und Jungen fehlen sauberes Trinkwasser, ausreichende Nahrung, medizinische Versorgung, Schulunterricht oder ein Dach über dem Kopf.

dpa BERLIN. Fast jedes zweite Kind auf der Welt lebt im Teufelskreis der Armut. Mehr als einer Milliarde Mädchen und Jungen fehlen sauberes Trinkwasser, ausreichende Nahrung, medizinische Versorgung, Schulunterricht oder ein Dach über dem Kopf.

Zu diesem Ergebnis kommt das UN-Kinderhilfswerks Unicef in seinem ersten Weltarmutsbericht aus der Sicht der Kinder, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Neben der allgemeinen Armut sind Kinder zunehmend Opfer von Kriegen, Bürgerkriegen und Terror. 16 der 20 ärmsten Länder in der Welt waren in den vergangenen Jahren Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Seit 1990 sind nach Schätzungen 1,6 Millionen Kinder in Kriegen getötet worden. Hunderttausende Kinder werden als Soldaten missbraucht, die meisten in Afrika und Asien. Junge Mädchen werden Opfer von Vergewaltigung, Verstümmelung, Missbrauch und Versklavung.

Dramatisch sind auch die Auswirkungen der Aids-Epidemie auf Kinder. Allein im südlichen Afrika ist laut Unicef die Zahl der Aids- Waisen von 1990 bis 2003 von einer auf über zwölf Mill. gestiegen. Die sozialen Unterschiede sind laut Unicef in den vergangenen Jahren nicht nur zwischen Nord und Süd, sondern auch innerhalb der Staaten gewachsen. So profitierten große Teile der Bevölkerung Chinas und Indiens bisher kaum vom Wirtschaftswachstum. Auch in den Staaten Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion wächst laut Unicef jedes dritte Kind in Armut auf.

Auch in den wohlhabenderen Ländern nimmt die relative Kinderarmut konstant zu. Dabei gilt als Bemessungsgrundlage der Anteil der Kinder, deren Familien mit weniger als der Hälfte des Durchschnittseinkommens auskommen müssen. In Deutschland stieg dieser Anteil laut Unicef zwischen 1990 und 2000 von gut vier auf neun Prozent. Über eine Million Jungen und Mädchen leben in Deutschland von Sozialhilfe.

Der stellvertretende Unicef-Exekutivdirektor Kul Gautam appellierte zusammen mit den Musikern und Unicef-Botschaftern Harry Belafonte und Lang Lang an die Regierungen, Kinder in den Mittelpunkt der Armutsbekämpfung zu rücken. Um die Lage der Kinder deutlich zu verbessern, seien 40 bis 70 Mrd. Dollar (45,3 bis 79,2 Mrd. Euro) im Jahr vor allem für Bildungsmaßnahmen, medizinische Versorgung und Aufklärung gegen die Aids-Ausbreitung nötig. Zum Vergleich: Die weltweiten Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr betrugen 956 Mrd. Dollar (1,08 Billionen Euro).

Unter Hinweis auf den deutschen Wunsch nach einer stärkeren Rolle im UN-Sicherheitsrat forderte Gautam die Bundesregierung auf, sich weltweit für einen "Marshall-Plan für Kinder" einzusetzen nach dem Muster der internationalen Hilfe für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg. Deutschland liegt mit fünf Mill. Euro Beitrag im Jahr nur an 16. Stelle der Unicef-Geberländer.

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