Unilever will seine US-Marken im Ausland stärken – Konzern sucht neue Vetriebskanäle
Slim-Fast setzt Europäer auf Diät

Im Frühjahr letzten Jahres übernahm der Unilever-Konzern den Diäthersteller Slim-Fast. Jetzt will der niederländisch-britische Konsumgüterhersteller diese Diät-Produkte aggressiver vermarkten. Bei dem weltweiten Ausbau der Marke liegt der Schwerpunkt auf Europa.

HB NEW YORK. Unilever-Chef Anthony Burgmans verordnet nicht nur seinem Konzern eine Abmagerungskur. Der niederländische Vorstandsvorsitzende des Konsumgüter-Herstellers mit Sitz in London und Amsterdam will, dass die Konsumenten in Europa häufiger zu den Diät-Produkten der Marke Slim-Fast greifen.

Für Slim-Fast sieht Burgmans ein enormes Wachstumspotenzial: "Wir werden die Marke in der ganzen Welt einführen", sagte er vor Journalisten anlässlich einer Veranstaltung zur Erinnerung an den Unilever-Börsengang an der New Yorker Börse vor 40 Jahren. Dank seiner globalen Präsenz könne der Konzern die Marke Slim-Fast nun weltweit ausbauen und auch das Wissen aus seinem Lebensmittelgeschäft dafür nutzen. Den Markt für Nahrungsergänzungsmittel schätzt Marc Covent, Chef von Slim-Fast, allein in den USA auf 1,9 Mrd. $. Fast 800 Mill. $ davon gehen an Slim-Fast.

"In Großbritannien waren wir erfolgreicher als wir dachten", sagte Covent über den Start in Europa. Im Vereinigten Königreich beispielsweise verkauft das Unternehmen auch Slim-Fast-Suppen. In den USA sind dagegen nur süße Produkte wie Schokoriegel, Milch-Shakes und Diät-Pulver im Angebot. Doch wie die US-Diät-Experten gelernt haben, wollen Europäer ihr Mittagessen lieber durch etwas Herzhaftes als durch ein süßes Getränk ersetzen. Auch in den Niederlanden und in Deutschland ist Slim-Fast bereits auf dem Markt. "Wir sehen in Deutschland ein großes Potenzial", sagte Slim-Fast Chef Covent. Nach Statistiken der Welternährungsorganisation (WHO) habe immerhin knapp die Hälfte der Deutschen Übergewicht.

Unilever will nicht nur mehr verschiedene Produkte mit dem Slim-Fast-Logo verkaufen, sondern auch neue Vertriebskanäle ausprobieren. Der Slim-Fast-Snack soll überall verfügbar sein, möglichst an jedem Kiosk. Neil Beckerman, Chef von Unilever Bestfoods North America, schließt nicht aus, dass Unilever dabei sein Gemeinschaftsunternehmen mit Pepsi Cola nutzen könnte, mit dem der Konzern bereits verschiedene Kaltgetränke der Marke Lipton vertreibt. Von den Analysten wird das Lebensmittelgeschäft von Unilever im Gegensatz zur dem Seifen- und Waschmittelsparte eher kritisch betrachtet. Die Wachstumsraten lagen in der Vergangenheit nicht so hoch wie beim Konkurrenten Nestlé. Allerdings hat Unilever im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen und bei seinen Top-Lebensmittel-Marken 6 % zugelegt. Kritiker führen das jedoch vor allem darauf zurück, dass Unilever weniger Werbung getrieben hat. Ein Vorwurf, den der Anthony Burgmans zurückweist. In den USA habe man die Werbung zumindest für die Top-Marken weiter ausgebaut.

Die Kritik der Investmentbank Credit Suisse First Boston, Bestfoods hätte seine Umsätze kurz vor der Übernahme durch Sonderangebote künstlich aufgeblasen, weist Bestfoods-Chef Beckerman zurück. Beckerman räumt ein, dass viele Kunden wegen der anstehenden Preiserhöhungen im Juli 2000 im Vormonat noch einmal ihre Lager aufgefüllt hätten. Aber das hätte die Zahlen nicht wesentlich beeinflusst.

Insgesamt nimmt die schlanke Linie des Unilever-Konzerns langsam Konturen an: Mit Hilfe der Strategie "Weg zum Wachstum" sollen bis zum Jahr 2004 nur noch 400 von den 1600 Marken übrig bleiben, die Anfang des vergangenen Jahres noch zu Unilever gehörten. Derzeit hält der Konzern noch 960 Marken im Portfolio. In der gleichen Zeit soll der Umsatz um 5% bis 6% jährlich wachsen und die Gewinnmarge auf 16% klettern. Vorstandschef Anthony Burgmans hält weiter an diesen Zielen fest, auch wenn es in diesem Jahr nicht so aussieht, als könnte das Unternehmen seine eigenen Wachstumsvorgaben erreichen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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