Union erleichtert über Amtsverzicht
Ende der Doppelspitze

Der bayerische CSU-Fraktionschef Alois Glück betonte, die bisherige Doppelspitze der CDU hätte schnell "konfliktträchtig" sein können. Merz' kampfloses Aufgeben sei eine "große Geste".

ddp BERLIN. Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble dämpfte derweil Erwartungen, Merkel sei als Partei- und Fraktionschefin auch schon die geborene Kanzlerkandidatin der Union für 2006. Merkels Wahl zur Fraktionsvorsitzenden wurde Dienstagnachmittag erwartet.

"Nein. Das ist nicht die Haltung der Union", antwortete Schäuble auf die Frage, ob Merkel damit quasi automatisch die Herausforderin von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) 2006 werde. Man denke jetzt nicht an die Wahl in vier Jahren, sondern daran, eine möglichst wirkungsvolle Opposition zu machen. Schäuble betonte, Merz habe in den vergangenen zwei Jahren eine "hervorragende Arbeit»" geleistet. Es spreche allerdings viel dafür, "in einer so schwierigen Situation" die Funktion der CDU-Vorsitzenden mit dem Fraktionsvorsitz zu vereinen.

Bosbach zeigte sich überzeugt, dass Merz auch künftig eine "herausragende Rolle" in Partei und Fraktion spielen werde. In Finanz- und Wirtschaftsfragen bleibe Merz einer der führenden Köpfe der Union, sagte der CDU-Politiker. Der Landesvorstand der NRW-CDU beschloss in Düsseldorf, Merz für den Bundesparteitag am 11. November für die Wahl zum regulären Mitglied im CDU-Präsidium vorzuschlagen. Merz nahm die Nominierung an, wie Landeschef Jürgen Rüttgers mitteilte. Bisher sitzt Merz nur Kraft Amtes in dem höchsten Parteigremium.

Bosbach warnte davor, Merkel die Eignung für die Fraktionsführung abzusprechen. Die CDU-Chefin könne das Amt auf Grund ihrer Persönlichkeit führen. Man müsse es ihr nicht aus Dank überlassen, weil sie CSU-Chef Edmund Stoiber bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt gelassen habe. Glück betonte, der bayerische Ministerpräsident werde die Bundespolitik auch künftig "wesentlich mitgestalten". Stoibers "prägende Rolle" innerhalb der Union ergebe sich auch aus "seiner Resonanz in der CDU". Als Kanzlerkandidat habe er "ganz entscheidend dazu beigetragen, dass die CDU zu großer Geschlossenheit gefunden hat".

Der Vizevorsitzende des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, begrüßte das neue Amt für Merkel. "Jetzt beginnt wirklich die Nach-Kohl-Ära. Nicht nur, weil Kohl nicht mehr in der Bundestagsfraktion ist, sondern weil Friedrich Merz auch ein Stück Kohl-Mann war", sagte das CDU-Mitglied. Unterdessen forderte die Vorsitzende der Frauen-Union und stellvertretende Fraktionschefin, Maria Böhmer (CDU), ein Drittel der Fraktions- und Parlamentsämtern mit Frauen zu besetzen. Mit gut 22 Prozent sei der Anteil der weiblichen Unions-Abgeordneten so hoch wie nie, hob sie hervor.

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