Union
Kommentar: Seehofer dreht bei

Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses heißt in der Arbeitswelt das, was sich zwischen Horst Seehofer und der CDU-Spitze abzeichnete. Doch nun singt er doch wieder mit im Chor.

Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses heißt in der Arbeitswelt das, was sich zwischen Horst Seehofer und der CDU-Spitze abzeichnete. Da wollte der kundigste Gesundheitspolitiker der Union seine Mitarbeit aufkündigen. Das wäre einem persönlichen Misstrauensvotum gegen die gesamte Unionspolitik gleichgekommen. Dabei wusste Seehofer, der erfolgreiche Ex-Gesundheitsminister der Union und das "soziale Gewissen" der CSU, womit er pokern kann: Kaum einer der heute agierenden Unionisten erntet so viel Anerkennung bei Experten und Bürgern wie er. Doch in letzter Zeit hat auch kaum einer so viel Kopfschütteln ausgelöst.

Als er im Frühjahr angesichts des Stoiberschen "Akutprogramms für Deutschland" diesen mit seiner Rücktrittsdrohung bedrängte, warfen ihm selbst wohlgesinnte Parteifreunde störrisches Alleingängertum vor. Und als Edmund Stoiber ihn am Montag in seinem Kompromissgespräch mit Angela Merkel über die Gesundheitsreform im Regen stehen ließ, ahnte der erfahrene Strippenzieher Seehofer, dass er sich ins Aus manövrieren würde, sollte er stur bleiben - nicht nur in der Gesundheitspolitik. Ob er noch an seiner Forderung nach Einführung von Sockelrente und "Bürgerversicherung" festhält, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Besonders diese, so schallt es ihm unisono entgegen, passten eher ins rot-grüne Desasterprogramm als in das Modernitätsprojekt der CDU - Führung.

Wenn sich gestern einige an Seehofers preisende Worte zu Gerhard Schröders Regierungserklärung erinnerten, dann nicht von ungefähr, wie die Bemerkung des CDU-Generalsekretärs Meyer zeigte. Der grenzte Seehofer vorsorglich als "Einzelstimme" aus. Nun singt er wieder mit im Chor.

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