United Airlines kann weiterfliegen, obwohl der Staat keine Kreditgarantie gewährt
Ohne Geld um die Welt

Die zweitgrößte US-Fluglinie steht vor dem Bankrott. Während die Passagiere dank des US- Konkursrechts davon nicht viel spüren, sind die Mitarbeiter die Verlierer: Sie halten die Mehrheit an der Pleitefirma.

HB NEW YORK. Der Vorwurf der Flickschusterei hat United gerade noch gefehlt. Am gleichen Tag, an dem die US-Regierung die staatlichen Kreditgarantien verwehrte, forderte die Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA eine Strafe von rund 800 000 $: Sie wirft der Fluggesellschaft vor, sie habe bei den Wartungsarbeiten kleine Löcher in den Flügeln im Bereich der Spoiler nicht ordnungsgemäß repariert.

Die Strafe wird jedoch erfahrungsgemäß am Schluss niedriger ausfallen. Und gemessen an den Problemen der United-Mutter UAL Corp., fallen sie kaum ins Gewicht: Die zuständige Regierungsbehörde ATSB hat am Mittwochabend den Antrag auf staatliche Kreditbürgschaften in Höhe von 1,8 Mrd. $ abgelehnt. Damit droht der Fluggesellschaft die Zahlungsunfähigkeit.

"Wir sind enttäuscht, dass die ATSB den Vorschlag, den United unterbreitet hat, nicht akzeptieren konnte. Wir begrüßen jedoch die genannte Möglichkeit, einen verbesserten Vorschlag zu einem späteren Zeitpunkt zu prüfen", sagte der UAL-Chef Glenn Tilton. United werde so schnell wie möglich über die nächsten Schritte entscheiden, sagte er.

Der Fluggesellschaft, die in den vergangenen zwei Jahren 4 Mrd. $ verloren hat, bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als Gläubigerschutz unter Chapter 11 zu beantragen. Um jedoch unter diesem Schutz weiterfliegen zu können, muss sich United 1,5 Mrd. $ sichern. Nach Medienberichten verhandelt UAL mit JP Morgan, Citigroup, Bank One, und der General- Electric-Tochter GE Capital über die Finanzierung. United braucht das Geld dringend, da Ende kommender Woche die Fristen für einige Kredite in Höhe von insgesamt 920 Mill. $ ablaufen.

Beobachter und Analysten begrüßen die Entscheidung der Regierung, staatliche Kreditbürgschaften abzulehnen. Der Grund: United kann mit dem Konkursverfahren viel drastischer Kosten senken, ohne viel Rücksicht auf Gewerkschaften nehmen zu müssen. Denn vor allem die Lohnkosten sind bei United im Vergleich zur Konkurrenz extrem hoch. Die Fluggesellschaft, die zu 55% den Mitarbeitern gehört, flog schon vor den Terroranschlägen vom 11. September in den roten Zahlen.

Dennoch kam die Entscheidung der Behörde unerwartet. Beobachter und Mitarbeiter hatten geglaubt, dass die ATSB ihr Urteil erst nach einer Abstimmung der Gewerkschaft der Mechaniker fällen würde. Die Mechaniker wollten ursprünglich am Donnerstag über Gehaltskürzungen in Höhe von 700 Mill. Dollar abstimmen. Die Abstimmung wurde nun abgesagt.

Die Ablehnung der Kredite zeugt nicht nur von der Abneigung der Bush-Regierung gegen staatliche Rettungsmaßnahmen für kriselnde Fluggesellschaften, sondern eben auch von ihrer Abneigung gegen die Macht der Gewerkschaften. Der Präsident der Mechaniker-Gewerkschaft, Tom Buffenbarger, ist enttäuscht: "Wir waren bereit, mit United, den Gewerkschaften und der Regierung partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um United Airlines wieder zum besten Carrier der Nation zu machen", sagte er. "Unglücklicherweise hat die Regierung der Vereinigten Staaten diese Partnerschaft verlassen."

Mit der Regierungsentscheidung steht aber auch die Idee der mehrheitlichen Mitarbeiterbeteiligung auf dem Prüfstand. Seit 1994, als die Airline ebenfalls Schwierigkeiten hatte, gehört die Mehrheit den Mitarbeitern. Sie haben damals Aktien der Fluggesellschaft erhalten, weil sie auf Gehaltserhöhungen verzichtet haben. Die Gewerkschaften erhielten drei Sitze im Aufsichtsrat und ein Vetorecht bei der Ernennung des Vorstandsvorsitzenden. Doch das Konzept hat sich nicht ausgezahlt. Die Mitarbeiter waren in der Krise nicht zu den nötigen Kostensenkungen bereit. Sie gehören noch immer zu den am besten bezahlten der Branche - ein Pilot etwa verdient 200 000 $ jährlich für 80 Flugstunden im Monat.

Nun müssen die Mitarbeiter zusehen, wie die Aktien, die sie damals zum Durchschnittspreis von 45 Dollar erwarben, immer weiter sinken. Sie durften ihre Anteile nur abstoßen, wenn sie in Rente gingen oder das Unternehmen verließen. Jamie Baker, Analyst bei JP Morgan, sagt, die Aktie werde bis zum Ende des Monats de facto wertlos sein.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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