Universal und Warner lehnen Zusammenarbeit ab
Musikindustrie will keinen Frieden mit Napster

Das Milliardendollar-Friedensangebot von Napster ist bei den Vorständen der grossen Musikkonzerne auf taube Ohren gestossen. Einige der Music-Giganten wie Universal Music (Vivendi-Konzern) und Warner Music (Aol Time Warner) lehnten noch am Mittwoch das Kooperationsangebot von Napster kategorisch ab.

rje NEW YORK. "Es liegt in der Verantwortung von Napster, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das unsere Rechte nicht angreift. Nichts von dem, was wir bisher gehört haben, entspricht unseren Vorstellungen", sagte eine Universal-Sprecherin. "Sie verletzen weiter unsere Urheberrechte, sie stellen den illegalen Dienst nicht ein und verlangen, dass wir ihnen vertrauen", lautete ein weiterer Kommentar aus der Baranche.

Vertreter der wichtigsten Interessenorganisationen der Musikindustrie in Europa (IFPI und RIAA, Recording Industry Association of America) bezeichneten die Napster-Bertelsmann-Offensive sogar als billigen PR-Gag. "Wir sind der Meinung, dass Napster den Anweisungen der Gerichte folgen und die Verletzungen der Urheberrechte unterlassen sollte", sagte Allen Dixon, IFPI-Präsident in einer Stellungnahme.

Marktbeobachter vermuten, dass die von Napster angebotene Summe weit unter den Vorstellungen der Musikkonzerne liegt und dass das Geschäftsmodell nicht tragfähig ist. "Das CD-Geschäft hat ein Volumen von 40 Mrd. $ im Jahr, und Napster bietet 200 Mill. $ für ein 'all you can eat menue'", meinte ein Vertreter der Branche. Auch das Gebührenmodell funktioniere nicht. Napster habe sich wohl verrechnet, meinte der Anwalt eines der betroffenen Konzerne. "Bei Napster soll ein Titel den Bruchteil eines Cents kosten. Die Plattenfirmen zahlen aber bereits 7,5 Cents an die Songschreiber und deren Verlage", erklärt der Experte. Hinzu kämen weitere Abgaben und Kosten fuer die Künstler und die Produktion.

Geht Napster bald an die Börse?

In einer Pressekonferenz am Dienstag hatte Napster eine Garantiezahlung an die Musikkonzerne von 1 Mrd. $ für Copyright-Gebühren angeboten. Nach der Rechnung von Bertelsmann würde diese Summe den Gewinn und die Lizenzgebühren von rund 5,4 Mrd. $ Umsatz ausgleichen. Nutzer sollen in Zukunft eine monatliche Gebühr zwischen 2.95 $ und 9,95 $ zahlen.

Unabhängige Branchenbeobachter beurteilen die Überlebenschancen von Napster unterschiedlich. "Keiner weiß zur Zeit, welches Geschäftsmodell wirklich funktioniert und ob Napster den vorgeschlagenen Betrag tatsächlich aufbringen kann", meint Eric Scheirer, Analyst bei Forrester Research. Napster könne nur Spekulationen über zukünftige Umsätze liefern, und daran sei die Plattenindustrie nicht interessiert.

Phil Leigh, Analyst bei Raymond James & Accociates meint dagegen:"Wenn Napster die Prozesse übersteht, könnte sogar ein Börsengang für die weitere Finanzierung folgen." Für die Plattenindustrie brächte eine Zusammenarbeit auch Vorteile. "Der gesamte zusätzliche Umsatz über Napster geht direkt an die Musikfirmen, da weder für den Vertrieb noch für die Herstellung von CDs Kosten anfallen."

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