Universums USA-Pläne in Frage gestellt
Sanders Linke fällt Wladimir Klitschko

207 Sekunden haben genügt, um Wladimir Klitschko aus dem siebten Boxer-Himmel äußerst unsanft auf den Ring-Boden zurückzuholen. Corrie Sanders aus Südafrika hat dem in Hamburg lebenden 26-jährigen Ukrainer am Samstagabend in Hannover mit einem technischen K.o.-Sieg in der 2. Runde sensationell den Titel der World Boxing Organization (WBO) im Schwergewicht abgenommen und damit die Hoffnungen der Hamburger Universum-Promotion von einem Durchbruch in der äußerst profitträchtigen amerikanischen Box-Szene vorerst zunichte gemacht.

HB/dpa HANNOVER. "So eine Niederlage bringt keinen nach vorn. Aber damit muss man immer rechnen. Das ist Boxen, das ist ein ehrlicher Sport", gestand Promoter Klaus-Peter Kohl nach dem spektakulären Duell um Fassung ringend ein.

Zuvor hatten Kohl wie die 11 500 Zuschauer in der ausverkauften Preussag-Arena und durchschnittlich 9,17 Mill. an den Bildschirmen (Marktanteil 30,7 %) entsetzt mit ansehen müssen, wie der erklärte Liebling aller deutschen Box-Anhänger von dem als K.o.-König angekündigten südafrikanischen Polizisten vorgeführt wurde. Schon nach knapp zwei Minuten krachte eine harte Linke des Rechtsauslegers an das Kinn des Modellathleten, von der er sich nicht mehr erholte.

Im Gegenteil: Der hoch gelobte Ukrainer musste sich bei Ringrichter Genaro Rodriguez (USA) bedanken, dass er überhaupt noch das Ende der Auftaktrunde erreichte. "Ich wollte mich sofort revanchieren und bin reingesprungen. Das war mein entscheidender Fehler", konstatierte Klitschko tief enttäuscht. Selbst die einminütige Pause reichten dem Zwei-Meter-Recken nicht, um wieder auf die Beine zu kommen. Nur 27 Sekunden nach dem Gong zur 2. Runde war die zweite Niederlage in seinem 42. Profi-Kampf perfekt. "Die Entscheidung des Ringrichters war korrekt. Die Gesundheit des Sportlers muss im Vordergrund stehen", befand Trainer Fritz Sdunek gefasst.

Trotz oder gerade wegen der schmerzlichen Erfahrung glaubt die Szene an ein Comeback des promovierten Boxers. "Wladimir kann durchaus zurückkehren, größer als jemals zuvor. Joe Louis, George Foreman und andere haben das auch bewiesen. Er soll jetzt erst einmal eine Auszeit nehmen", riet Box-Legende Foreman, der als Co- Kommentator für den US-Sender HBO am Ring saß. Sdunek ist ohnehin von seinem Schützling überzeugt. "Lewis hat sogar zwei Mal verloren und ist wiedergekommen. Das wird Wladimir auch schaffen. Er hat den Charakter dazu", meinte er. Und selbst der neue Champion spendete nach seinem 29. K.o.-Sieg im 41. Kampf Trost: "Das war nun mal dein Verlierertag. Du bist jung, du wirst zurückkommen."

Wenn es nach den Klitschkos ginge, sogar schon bald. "Ich werde zeigen, wo es lang geht. Ich brauche keine Aufbaukämpfe und würde am liebsten sofort wieder gegen Sanders boxen. Dann habe ich die Sache hinter mir", bekräftigte Wladimir ungebrochenen Kampfesmut. Den hatte Bruder Vitali zuvor schon im Ring demonstriert und dafür böse Blicke und verbale Tiefschläge vom 37-jährigen Sanders einstecken müssen. Der Südafrikaner und sein Management sind nun klar in der Vorhand. "Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und beraten, wann, wie und ob wir ein Rematch machen können", kündigte Kohl an. Ob der letzte Vertrag eine Option für einen Rückkampf beinhaltete, ließ er offen.

Eine Neuauflage wird teuer. Aber Kohl wird die Börse aufbringen müssen. Nur ein WM-Titel würde ihn wieder in eine bessere Verhandlungsposition mit dem US-Sender HBO bringen, mit dem derzeit ein Vertrag für die Übertragung von neun Universum-Kämpfen - darunter sechs in den USA - besteht. Ausgerechnet bei der ersten Übertragung zur besten Sendezeit brach der Nimbus von "Doktor Steelhammer", für einen Kampf gegen einen anderen Weltmeister gerüstet zu sein. "Das ist ein Schock für die Box-Welt. Für einen Schwergewichtler ist es nicht entscheidend, wie stark er punchen kann, sondern wie er Punchs wegsteckt. Wenn er jetzt nach Beverly Hills zieht, bin ich mir nicht sicher, ob das der richtige Platz ist, um stärker denn je zurückzukehren", sagte HBO-Chefkritiker Larry Merchant. Die Klitschkos wollen künftig die Hälfte des Jahres in Los Angeles verbringen.

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