Unix-Software gerät unter Druck: Unternehmen freunden sich mit Linux an

Unix-Software gerät unter Druck
Unternehmen freunden sich mit Linux an

Die wachsende Schar von Linux-Kunden lässt den Softwareriesen Microsoft längst nicht mehr kalt. Das Unternehmen aus Redmond im USA-Bundesstaat Washington hat sich jetzt sogar dazu herabgelassen, einen Stand auf dem Treffpunkt der Linux-Fans aufzubauen, der Messe Linuxworld Expo in New York.

DÜSSELDORF. Vor nicht allzu langer Zeit wäre ein Microsoft-Stand auf der Linuxworld noch schlicht unvorstellbar gewesen, hatte doch Microsofts CEO Steve Ballmer Linux in einem Interview noch vor zwei Jahren als "Krebsgeschwür" bezeichnet. "Wir werden uns dem Wettbewerb mit Linux verstärkt stellen müssen", sagt heute Frank Mihm, Sprecher von Microsoft Deutschland.

Als Open-Source-Software ist der Programmcode von Linux frei zugänglich. Programmierer auf der ganzen Welt arbeiten gemeinsam an der ständigen Weiterentwicklung der Software. Je nach Bedarf kann sie angepasst oder modifiziert werden - allerdings unter der Auflage, dass die Modifikation allen Entwicklern zur Verfügung gestellt wird. Es fallen bei Linux entsprechend keinerlei Lizenzgebühren an, dafür ist die Wartung der Systeme komplexer und kostenintensiver als etwa die des Microsoft Betriebssystems Windows. In puncto Sicherheit und Zuverlässigkeit hat Linux indes die Nase vorn.

Insofern setzt der weltgrößte Computerkonzern deutliche Zeichen. IBM setzt mit linuxbasierter Hard- und Software bereits jetzt pro Jahr eine Milliarde Dollar um und rechnet damit, dass die Ausgaben für Linux-Produkte weltweit jährlich um 35 % steigen werden. Auf der Linuxworld präsentierte IBM auch neue Unternehmenskunden, die ihre IT-Systeme teilweise auf Linux umgestellt haben. Dazu zählen Unilever, der Spezialist für elektronische Signaturen Verisign und die Investmentbank Merrill Lynch. Spitzenreiter bei der Auslieferung von Linux-Servern ist Hewlett Packard, das mit Linux rund 2 Mrd. $ Umsatz pro Jahr macht und damit über 31,7 % Marktanteil verfügt.

Der Trend dürfte sich nach Meinung von Marktbeobachtern in den nächsten Jahren noch verstärken. Im Jahr 2001 liefen laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) 4 % aller Server weltweit unter Linux. Bis zum Jahr 2006 soll der Anteil auf 11 % wachsen. Zwischen September 2001 und September 2002 stieg die Zahl der linuxbasierten Server um 6 %, während Windows bei Servern nur 1 % zulegte. Bis zum Jahr 2007, so glauben die Marktforscher der Meta-Group, könnte der Linux-Marktanteil bei Internet-Servern bei 45 % liegen. "Eine größere Bedrohung als für Microsoft wird Linux für das Betriebssystem Unix, das hauptsächlich in den großen Rechenzentren von Unternehmen zum Einsatz kommt. Genau dort aber lassen sich die Vorteile von Linux am besten nutzen", sagt Kevin Ashton, Analyst bei der Deutschen Bank in London.

Im Deutschen Bundestag ist Linux bereits ein Achtungserfolg gelungen. Vor einem Jahr hatte sich das Parlament bei der Ausstattung der rund 5 000 Personalcomputer zwar für Microsoft-Programme entschieden, die Basis des IT-Systems jedoch, die leistungsstarken Server, werden mit Linux betrieben. Microsofts Niederlage bei diesem prestigeträchtigen Großauftrag war schmerzhaft. Microsoft CEO Steve Ballmer hatte im Vorfeld eigens eine Agentur mit millionenschwerem Budget beauftragt, um im Bundestag Lobbyarbeit zu betreiben. Trotzdem stimmte die rot-grüne Mehrheit für die Open-Source-Alternative.

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