"Unkalkulierbare Risiken" für Helfer
Rotes Kreuz stoppt Hilfseinsätze

Wegen der chaotischen und unübersichtlichen Situation in Bagdad hat das Rote Kreuz am Mittwoch seine Einsätze in der irakischen Hauptstadt gestoppt. Die US-Armee will innerhalb von wenigen Tagen damit beginnen, Hilfsgüter nach Bagdad einzufliegen.

Reuters BAGDAD. Während der Kampfhandlungen in der Stadt seien die Risiken für die Mitarbeiter unüberschaubar, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in einer Erklärung mit. Mitarbeiter der Hilfsorganisation waren zwei Tage zuvor während eines Einsatzes unter Beschuss gekommen. Der Kommandeur der in Bagdad eingerückten Truppen sagte, wenn der gesicherte Bereich über das Zentrum der Stadt hinaus ausgeweitet sei, sei der Beginn von Hilfslieferungen aus der Luft eine Frage von Tagen. Türkische Mehlproduzenten erhielten eigenen Angaben zufolge eine Anfrage des Welternährungsprogramms (WHO) für die Lieferung von 100.000 Tonnen Mehl für Irak.

"Angesichts der chaotischen und vollkommen unüberschaubaren Situation in der Stadt, sind die Risiken unkalkulierbar, die damit verbunden sind, wenn man sich von einem Punkt in der Stadt zu einem anderen bewegen will", heißt es in der IKRK-Erklärung. Ein Sprecher der Organisation kritisierte, dass jeder beschossen werde, der sich den Opfern, die auf Straßen und Brücken liegen, nähern wolle. Ein Konvoi der Hilfsorganisation war den Angaben zufolge am Dienstag mitten in ein Gefecht geraten. Dabei sei ein 48-jähriger Mitarbeiter aus Kanada getötet worden. Das Rote Kreuz ist eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die während des gesamten Konflikts internationales Personal in Irak eingesetzt hat.

Nach heftigen Gefechten in den vergangenen Tagen waren die US-Truppen am Mittwoch ohne großen Widerstand weiter in das Zentrum von Bagdad vorgedrungen und dort von jubelnden Bewohnern begrüßt worden. Mit dem Eindruck, die bisherige Macht sei zerschlagen, begann die öffentliche Ordnung zusammenzubrechen. Zahlreiche Menschen plünderten verlassene Geschäfte und Büros.

"Wir werden die Sicherheitszone, die wir im Zentrum Bagdads geschaffen haben, ausweiten und mehr Versorgungseinheiten herbringen, mehr Soldaten und mehr Flugkapazitäten", sagte General Buford Blount, der die Truppen in der Stadt befehligt. Mit einem Beginn der Hilfsflüge rechne er in wenigen Tagen.

Experten für den Wiederaufbau kriegszerstörter Länder warnten indes davor, dass die voraussichtlich nötige Summe von 100 Milliarden Dollar (93 Millionen Euro) für Irak nicht zusammenkomme. "Das Hauptproblem ist, dass es in den Kassen der großen Geberländer knapp wird für die riesigen Summen, die für große Infrastrukturvorhaben gebraucht werden", sagte ein hochrangiger europäischer Finanzexperte, der Erfahrungen aus dem Wiederaufbau der auf dem Balkan zerstörten Länder hat.

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