Unkenntnis beschert vielen US-Sparern Niedrigstrenditen
Amerikanische Anleger wissen wenig über Zinsen

zz WASHINGTON. 57 % aller Amerikaner, die ihr Geld auf einem Sparkonto (Savings Account) angelegt haben, wissen nicht, welche Zinsen sie tatsächlich von ihrer Bank erhalten. Und 63 % vertrauen ihre Ersparnisse jenem Institut an, bei dem sie ihr Scheckkonto unterhalten. Sie schauen sich also nicht nach besseren Anlagemöglichkeiten um. Das geht aus einer Umfrage des Verbraucherverbandes Consumer Federation of America und der Providian Financial Corporation hervor.

Weil die Kenntnisse über Zinsen, die auf Sparkapital erzielt werden können, so mangelhaft sind, legen die Sparer ihr Geld meistens zu Niedrigstrenditen an. Eine Billion Dollar (1000 Mrd. DM) lagert in den USA auf Sparkonten. Die amerikanischen Sparer verschenken damit 30 bis 50 Mrd. $ im Jahr, wie die Consumer Federation of America in der Publikation ihrer Umfrage nüchtern feststellt. Es ist kein Trost, dass auch in Deutschland nach Berechnungen der Bundesbank im September über 588 Mrd. Euro, also 1150 Mrd. DM, auf Sparkonten, also zu unattraktiven Niedrigstzinsen angelegt waren.

Große Unkenntnis bei U.S. Savings Bonds

Auf Sparkonten und Geldmarktanlagen zahlen amerikanische Banken zur Zeit 2 % Zinsen. Certificates of Deposit werfen je nach Laufzeit 5 % oder mehr ab. Die U.S. Savings Bonds des Washingtoner Finanzministeriums sind sogar mit Renditen von 5 bis 7 % ausgestattet. Selbst bei den simpelsten Zinsproblemen sind viele Amerikaner ahnungslos. Nach der Umfrage der Consumer Federation wissen 30 % nicht einmal, dass die Zinsen auf Einlagenzertifikate (Certificates of Deposit) höher sind als die auf Sparkonten. Ein größeres Risiko für den Sparer besteht bei den Certificates of Deposit (CD) aber nicht: Sie werden ebenso wie Sparanlagen bis zu 100 000 $ pro Konto von der Einlagensicherung FDIC geschützt.

Vornehmlich ältere Amerikaner bemühen sich laut Umfrage nicht, Anlagemöglichkeiten mit höherem Zins zu erkunden. Sie verlieren, vor allem wenn sie über höhere Rücklagen verfügen, am meisten. Große Unkenntnis herrscht zum Beispiel über U.S. Savings Bonds. 45 % der Befragten halten diese nicht für eine attraktive Anlage, obwohl sie überdurchschnittliche Zinsen bieten, vor allem, wenn die inflationsgeschützte Variante dieser Emissionen gewählt wird. Auf etwa der Hälfte aller US-Sparkonten liegen durchschnittlich weniger als 2 500 $. Sie werden als Reserve für Notzeiten angesehen. Deshalb sind die meisten Amerikaner nicht geneigt, diese Gelder auf höher verzinsliche Konten zu transferieren, weil dort längere Kündigungszeiten bestehen.

Sparer entscheiden sich häufig für sichere Anlage

Doch so gewaltig sind die Strafzinsen ("Penalties") auch wieder nicht: Bei den Savings Bonds wird bei der Einlösung vor Ablauf von fünf Jahren der Zinsgegenwert von drei Monaten einbehalten, bei den CD kassiert die emittierende Bank bei vorzeitiger Einlösung ebenfalls die Zinsen für einige Monate. Gerade für ältere Amerikaner hat die Sicherheit ihres Geldes höchste Priorität. Dafür verzichten sie lieber auf höher verzinsliche Anlagen, die zumindest als unorthodox, möglicherweise aber auch als zu riskant eingestuft werden. Die Consumer Federation macht eine nüchterne Rechnung auf. Wenn eine Familie im Monat nur 100 $ mehr auf ihr Anlagekapital als bei traditionellen Anlagen erzielt, summieren sich die zusätzlichen Erträge im Leben durchschnittlich auf 100 000 $. Dafür kann man sich in manchen US-Regionen ein Eigenheim kaufen.

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