Unklarheiten um Ullrich
Arbeitsmarkt für Radprofis entspannt sich

Nach den Hiobsbotschaften der vergangenen Monate gibt es bei der Tour de France, der größten Arbeitsplatz-Messe, erste Zeichen der Hoffnung für die Radprofis.

HB BAZAS. Der Arbeitsmarkt im Radsport hat sich entspannt. Udo Bölts, der nur kurzfristig ins Telekom-Tour - Team gerutscht war und die Kündigung für nächstes Jahr schon in der Tasche hat, sieht wieder Licht am Horizont. "Nach der Tour werde ich mich mit den Verantwortlichen von Gerolsteiner zusammen setzen. Ich will auf jeden Fall noch ein Jahr fahren", sagte der knapp 36-Jährige am Tour-Ruhetag in Bordeaux. "Mittel für seine Verpflichtung wären vorhanden", bestätigte Ex-Profi Rolf Gölz, Teamchef beim nationalen Telekom-Konkurrenten Gerolsteiner, Interesse an dem elffachen Tour- Teilnehmer und Sympathieträger.

Auch für 18 der 43 beim weltgrößten Rad-Sponsor Mapei angestellten Fahrer besteht wieder Hoffnung. Der belgische Co-Sponsor Quick-Step will die Profis mit der Giro-Entdeckung Cadel Evans (Australien) und dem belgischen Topsprinter Tom Steels an der Spitze übernehmen. Auch der Österreicher Gerhard Trampusch kann mit einer Weiterbeschäftigung rechnen. Im Vorjahr wurde er bei Telekom nach seiner Darstellung herausgemoppt. "Sie haben mir erklärt, ich sei nun mal das Schwarze Schaf und müsste gehen. Ich weiß bis heute nicht, warum. Die jungen Fahrer im Team waren am abweisendsten zu mir." Nach den Doping-Fällen beim vergangenen Giro, die auch seinen Topfahrer Stefano Garzelli betrafen, war Mapei-Chef Giogio Squinzi der Kragen geplatzt. Der Italiener zieht sich Ende der Saison aus dem Radsport zurück.

Wirtschaftliche Vernunftehen soll es zwischen den belgischen Teams Lotto und Domo (mit Richard Virenque und dem Enfant terrible Franck Vandenbroucke) geben. Die führenden Mannschaften Once (Spanien) und das Lance-Armstrong-Team US Postal (USA) machen auf jeden Fall noch mindestens bis Ende 2004 weiter. Auch die deutschen Topteams hinter Telekom, Gerolsteiner und Coast, planen langfristiger. "Wir wollen unsere Topfahrer halten und haben bei der zurzeit günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt bis November Zeit, noch mögliche Verstärkungen zu finden", erklärte Coast-Manager Marcel Wüst.

Der Ansbacher Jörg Jaksche, Mitglied im augenblicklichen Top-Team der Tour, war schon mit einer Vertragsverlängerung bei Once bis einschließlich 2004 zum Start der Frankreich-Rundfahrt nach Luxemburg gekommen - genau wie Grischa Niermann (Hannover) von der niederländischen Rabobank-Mannschaft. "In der heutigen Zeit ist das ja ein Glücksfall", freute sich der ehemalige Telekom-Fahrer Jaksche über den Vertrauensbeweis seines Teams. Optimismus verbreitet seit neuestem auch Telekom-Manager Walter Godefroot - sogar nach dem Rücktritt des als Radsport begeistert bekannten Konzernchefs Ron Sommer. "Ich gehe davon aus, dass wir auch 2004 und 2005 als Telekom - Team weiter machen", sagte der Belgier.

Allerdings sorgen nicht nur die neuen Macht-Strukturen auf der Chefetage in Bonn für eine gewisse Verunsicherung der Telekom-Radler. Die Zukunft des Teams in der jetzigen Form ist auch eng mit dem Schicksal von Jan Ullrich verbunden. Gibt es eine Verurteilung auf Verbands-Ebene, wie verlaufen die Ermittlungen des Staatsanwaltes in München wegen Drogen-Besitzes und bekommt der Olympiasieger menschlich wie sportlich noch einmal die Kurve? Auf diese Fragen gibt es zurzeit keine Antwort. Unklar erscheint sogar, ob sich Ullrich wirklich in den USA aufhält und dort, wie vielfach kolportiert, die Seele baumeln lässt und über ein Comeback nachdenkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%