Unmoralisches Angebot
Nierenversteigerung via Internet

Ein 19-jähriger Hesse steht vor dem Amtsgericht, da er eine seiner Nieren in einem Internet- Auktionshaus zum Kauf angeboten hat. Nach dem Transplantationsgesetz ist Organhandel dieser Art verboten und kann mit einer Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden.

ap HOMBERG. Ein 19-jähriger Hesse soll versucht haben, eine seiner Nieren für 100 000 DM via Internet zu versteigern. Dafür muss sich der Mann, der die Tat bestreitet, seit Mittwoch vor dem Amtsgericht in Homberg/Efze verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Februar dieses Jahres zwei Mal eine seiner Nieren in einem Internet-Auktionshaus zum Kauf angeboten zu haben. Der Prozess sollte mittags beginnen; mit einem Urteil wurde am späten Nachmittag gerechnet.

Nach dem Transplantationsgesetz ist Organhandel dieser Art verboten und kann mit einer Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Laut dem Bundeskriminalamt ist bislang in Deutschland kein Fall von illegalem Organhandel über das Internet bekannt geworden. Einzelfälle gab es jedoch im Ausland. So wollte ein Anbieter aus Florida 1999 über das Internet-Auktionshaus ebay ebenfalls seine Niere zum Mindestpreis von 25 000 $ verkaufen. Bis die illegale Auktion von ebay gestoppt wurde, betrug das letzte Angebot für die Lebend-Nierenspende 5,7 Mill. Dollar. Der Bedarf an Organen ist auf jeden Fall auch in Deutschland vorhanden. So beträgt die Wartezeit für eine Niere nach Angaben der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) durchschnittlich 4,5 Jahre. Knapp 10 000 Menschen warten derzeit auf solch ein Organ. Betroffene müssen die Wartezeit mit einer belastenden Dialyse überbrücken.

Nierenangebot per Fax

"Wir kriegen immer wieder mal Faxe aus osteuropäischen Ländern, in denen uns eine Nieren-Lebendspende für 10 000 bis 25 000 Dollar angeboten wird", sagte Professor Uwe Heemann, Transplantationsmediziner an der Universität Essen und Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG). Man wisse jedoch nie genau, wie ernst diese illegalen Angebote gemeint seien. Heemann betonte, dass selbst bei einem erfolgreichen Kauf eines Organs die Transplantation noch längst nicht gewährleistet sei. Denn solch eine High-Tech-Operation könne nur an wenigen medizinischen Zentren vorgenommen werden. "Auch im Ausland ist es nahezu unmöglich, nach einem illegalen Organkauf einen Arzt zu finden, der die Operation durchführt und beherrscht", sagte Heemann. Grundsätzlich sei in Deutschland nach dem Transplantationsgesetz eine Lebendspende nur bei einer engen emotionalen Bindung zum Organsuchenden erlaubt. Dies gelte beispielsweise für Verwandte.

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