Unmut über Firmenliste
Börse plant Sanktionen am Neuen Markt

Nach den Osterfeiertagen wird die Deutsche Börse Sanktionsverfahren gegen bis zu 25 Unternehmen am Neuen Markt eröffnen, die gegen die Transparenzregeln verstoßen haben. Allerdings ist das Vorgehen der Börse selbst in dieser Frage bisher vielen Akteuren nicht transparent. Aktionärsschützer werfen ihr sogar gefährliche Fahrlässigkeit vor.

dpa-afx FRANKFURT. Anfang April hatte die Börse erstmals Firmen vom Neuen Markt im Internet an den Pranger gestellt, die ihre Jahresabschlüsse nicht rechtzeitig eingereicht hatten. Allerdings wies die Liste gravierende Fehler auf. Mehrere Unternehmen wurden völlig zu Unrecht genannt, andere hatten eine Fristverlängerung von der Börse zugestanden bekommen. Nach heftigen Protesten zog die Börse die Liste zurück. Eine neue Liste wurde ins Netz gestellt - und musste wieder korrigiert werden.

"Nicht nur der Ruf der zu Unrecht beschuldigten Unternehmen wurde fahrlässig auf Spiel gesetzt", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Als die Börse die fehlerhafte Liste zurückgezogen habe, sei es bereits zu spät gewesen, um den Schaden vom Finanzplatz Deutschland noch abzuwenden. Dieser "unglaubliche Dilettantismus" sei für ein Unternehmen, welches mit elektronischen Handelssystemen sein Geld verdiene, ein Skandal, fügte Keitel hinzu.

"Wir bedauern die von uns gemachten Fehler außerordentlich", sagte ein Pressesprecher der Deutschen Börse, der aber nicht namentlich genannt werden wollte. Auf Grund "technischer Probleme" in einer Datenbank, sei es zu den Fehlern gekommen. "Natürlich hatten wir nicht beabsichtigt, falsche Angaben zu machen." Die Börse habe sich auch umgehend bei den betroffenen Unternehmen entschuldigt, fügte er hinzu. Fälschlicherweise seien Gericom, Cybio, Arbomedia.net, Teleplan International, Rhein Biotech und Adcon Telemetry Verstöße gegen das Regelwerk vorgeworfen worden.

Händler erinnern an Sorgfaltspflicht

Aktienhändler am Neuen Markt zeigten hingegen wenig Verständnis für die Fehler der Börse. "Die Art und Weise der Listenveröffentlichung ist mehr als peinlich", sagte Carsten Hagedorn von M.M. Warburg in Hamburg. Der beabsichtigte Nutzen sei durch die Fehler ins Gegenteil verkehrt wurden. Selbstverständlich müsse die Deutsche Börse durchgreifen und möglicherweise auch Exempel statuieren. Aber zu allererst müsste die Sorgfaltspflicht eingehalten werden.

Jochen Kelleter, Händler bei der WestLB in Düsseldorf, ist ebenfalls dieser Ansicht: "Der Imageschaden ist nicht zu unterschätzen." Vor allem mit Blick auf internationale Anleger sei ein solcher Fauxpas kaum zu entschuldigen.

Dennoch wollen die zu Unrecht beschuldigten Unternehmen die Angelegenheit auf sich beruhen lassen. "Wir halten rechtliche Schritte gegen die Börse für wenig sinnvoll", sagte der Vorstandsvorsitzender von Adcon Telemetry Alexander Zrost. "Wir sind zwar verärgert über das Vorgehen der Börse, aber letztendlich hat sich die Börse ins eigene Knie geschossen. Die Sache ist für uns erledigt."

Foris erreicht einstweilige Verfügung

"Wir haben mit der Börse gesprochen und alle unsere Investoren informiert", sagte eine Firmensprecherin von Cybio. "Damit ist für uns das Kapitel abgeschlossen." Auch bei Arbomedia.net heißt es lapidar: "Wir blicken jetzt in die Zukunft und hoffen, dass die Börse aus ihrem Fehler etwas gelernt hat."

Für die weiter von Sanktionen bedrohten Unternehmen geht der Streit mit der Deutschen Börse nun in eine neue Runde. Die Berliner Foris AG hat bei diesem Kampf einen ersten Etappensieg errungen; Die Deutsche Börse musste auf Grund einer einstweiligen Verfügung am vergangenen Donnerstag ihre einen Tag zuvor veröffentlichte Liste erneut korrigieren.

Der Prozessfinanzierer Foris hatte am 30. März in einer Pflichtmitteilung seinen Geschäftsbericht der Öffentlichkeit vorgelegt und am gleichen Tag in den Räumen der Deutschen Börse eine Bilanzpressekonferenz abgehalten. Nach Aussage eines Foris-Sprechers wurde am gleichen Tag die Bilanz per E-Mail auch an die Börse übermittelt. Die Börse bestreitet dies. Erst nach einer erneuten Sendung am 4. April habe sie den Bericht erhalten, zwei Tage zu spät.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%