Unmut über P&G-Übernahmeangebot
Wella-Anleger raufen sich die Haare

Für Heiner Gürtler war es ein Spießrutenlauf. Ein knappes Lob erntete der Wella-Vorstandschef auf der möglicherweise letzten Hauptversammlung des Unternehmens für die Rekordzahlen des vergangenen Jahres - dann schlug der Unmut über das Übernahmeangebot des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) über dem hoch gewachsenen Manager und den Familienaktionären des Darmstädter Haar- und Kosmetikunternehmens zusammen.

HB FRANKFURT. Vor allem die Offerte für die stimmrechtslosen Vorzugspapiere, die deutlich niedriger liegt als für die Stammaktien, erhitzte die Gemüter. Doch Gürtler ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst als ein Aktionär den Wella-Vorstandschef fragte, ob die Zustimmung des Managements zum Übernahmeangebot von P & G mit Geld erkauft worden sei, blieb seine Miene unbewegt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Olbricht hatte die Versammlung zu Beginn darauf hingewiesen, dass das Übernahmeangebot nicht Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung sei. Doch das kümmerte kaum einen der anwesenden Anleger. "Wir sind es leid, als Aktionäre zweiter Klasse behandelt", beschwerte sich Peter Barth von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter dem Applaus der rund 500 Aktionäre. Der Grund für den Ärger: P&G hat der Eigentümerfamilie Ströher für deren 78 % der Stammaktien 92,25 Euro offeriert und muss den anderen Inhabern von Stammpapieren den selben Preis anbieten. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktionäre hingegen bekommen nur 65 Euro. Der Kaufpreis sei eine "Frechheit", schimpfte Barth. Auch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) beklagte einen "Abgrund an Aktienunkultur".

Wer die Schuld trägt an der großen Spanne zwischen Stamm- und Vorzugsaktien war für die meisten Kleinanleger klar: die Erbengemeinschaft des Familienunternehmens Wella, die den Verkauf der Mehrheit an den US-Konzern eingefädelt hatte. Sie musste harsche Kritik einstecken. "Die einen hauen sich die Taschen voll, und die Kleinen gehen leer aus", klagte Barth. Mit dem Angebot habe P&G viele Sympathien verspielt.

Rückendeckung erhielten die Aktionärschützer auch vom Hedgefonds Elliot, der nach eigenen Angaben rund 10 % der Vorzugsaktien vertritt. Thomas Müller, Sprecher der Fondsgesellschaft, zeigte sich mit der Offerte höchst unzufrieden. Der Fonds hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Wert der Aktien zu schätzen, und kam zu höheren Preisen als angeboten.

Die Vertreter der Familienaktionäre auf dem Podium ließ die Kritik allerdings kalt. Sylvia Ströher, die im braunen Kostum als größte Einzelaktionärin von Wella auf dem Podium saß, nahm die Schelte regungslos entgegen. Es blieb Vorstandschef Gürtler vorbehalten, die Kritik zurückzuweisen. Es sei das gute Recht der Familie, das Unternehmen zu verkaufen, und der angebotene Preis sei rechtlich zulässig.

"Es macht keinen Sinn, gegen Windmühlen zu kämpfen", sagte Gürtler und appellierte an die Anteilseigner, sachlich zu bleiben. Doch mit nüchterner Rationalität allein war nicht allen Anlegern beizukommen. Erregt trumpfte ein Kleinaktionär gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat auf: "Sie können mich nicht aus dem Konzept bringen - ich habe ja keines."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%