UNO-Generalsekretär Annan warnte dagegen vor einem Alleingang
US-Botschafter: Alleingang gegen Irak denkbar

Einen Tag vor der Rede von US-Präsident George W. Bush vor der UNO zum Irak hat der US-Botschafter in Deutschland, Daniel Coats, einen Alleingang der USA nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig forderte er angesichts des deutsch-amerikanischen Streits über die Irak-Politik die Unterstützung der Freunde und Alliierten der USA ein.

Reuters BERLIN/WASHINGTON. Es gebe Zeiten, in denen ein Alleingang die einzige Möglichkeit sei, schrieb Coats am Mittwoch in der "Süddeutschen Zeitung". Im "ARD-Morgenmagazin" sagte Coats, die USA erwarteten von Alliierten und Freunden Unterstützung, wie sie sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen hätten. "Wir haben im Kalten Krieg zusammengestanden", sagte Coats der ARD. "Und ich bin sicher, wir werden zusammenarbeiten und die Herausforderung bestehen."

UNO-Generalsekretär Kofi Annan warnte dagegen vor einem Alleingang. US-Medien zufolge soll ab Freitag das US-Oberkommando für die Golfregion nach Katar verlegt werden. Diplomaten zufolge könnte der Stützpunkt dort eine wichtige Rolle bei einem Angriff auf Irak spielen. Spanien und Italien erklärten, sie würden einen US-Angriff unterstützen, während Bundespräsident Johannes Rau sich dagegen aussprach.

Die USA arbeiteten jeden Tag mit ihren Bündnispartnern und internationalen Organisationen zusammen, um ihre Ziele zu erreichen, schrieb Coats weiter. "Dennoch gibt es Zeiten, in denen ein Alleingang die einzige mögliche Option ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen." Bundeskanzler Gerhard Schröder hat eine Beteiligung der Bundeswehr an einem Militäreinsatz ausgeschlossen. Coats hatte die Haltung der Bundesrepublik in einer für Diplomaten ungewöhnlich scharfen Form kritisiert.

Bush hat einen Machtwechsel in Irak zum Ziel seiner Regierung erklärt. Er hat dabei einen Militärschlag gegen Iraks Präsident Saddam Hussein nicht ausgeschlossen. Bush hat angekündigt, am Donnerstag vor den Vereinten Nationen (UNO) um Solidarität werben zu wollen. Aus US-Regierungskreisen verlautete, Bush wolle der UNO kein Ultimatum setzen. Die USA werfen Irak vor, nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Irak weist dies zurück.

Annan sagte dem britischen Sender BBC, die Maßnahmen gegen Irak müssten vom Sicherheitsrat mitgetragen werden. "Wenn man es einseitig macht, oder mit einen oder zwei anderen Staaten, wissen wir nicht, was am Ende passiert - die unerwarteten Konsequenzen dieses Konflikts", sagte er. Spanischen Zeitungen zufolge hat Ministerpräsident Jose Maria Aznar Bush die Unterstützung seines Landes auch ohne eine neue UNO-Resolution zugesichert. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi schrieb in der Zeitung "Il Foglio", notfalls müsse mit Waffengewalt gegen Irak vorgegangen werden. Rau sagte im "Deutschlandfunk", er sehe keinen Anlass, einen Militärschlag zu planen. Man müsse versuchen, "mit allen Mitteln des Völkerrechts zu erreichen, dass die Bedrohung vom Irak wegkommt und das diese Bedrohung nicht den Nahen Osten und uns alle in Gefahr bringt."

Das philippinische Außenministerium wies unter Hinweis auf "wachsende Anzeichen" für einen bevorstehenden US-Angriff 118 ihrer Staatsbürger an, Irak zu verlassen. "Obwohl die philippinische Regierung keine endgültige Informationen hat, dass ein US-Angriff tatsächlich bevorsteht, ist unsere Entscheidung gut fundiert und vernünftig", erklärte das Außenministerium. Im Nahen Osten wohnen etwa eine Million philippinischer Arbeiter, mehr als 900 000 von ihnen in Saudi-Arabien.

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