Uno-Konferenz in Johannesburg könnte Anleger-Interesse wecken
Öko-Investments bleiben in Mode

Ökologie ist in den vergangenen Jahren auch an der Börse in Mode gekommen. Fonds investierten in junge Unternehmen aus alternativen Branchen. Doch auch mit Öko-Fonds machten Anleger im Abschwung Verluste. Jetzt erwarten die Fondsgesellschaften neuen Schwung für Öko-Anlagen.

FRANKFURT/M. Seit Montag läuft in Johannesburg der größte Uno-Gipfel aller Zeiten. Delegierte aus rund 200 Ländern diskutieren in der südafrikanischen Metropole zehn Tage lang über Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Seit der grundlegenden Rio-Konferenz 1992 haben diese Themen einen hohen Stellenwert erlangt - auch im Bereich der Geldanlage. Zahlreiche Investmentgesellschaften haben Fonds aufgelegt, die sich den Themen Nachhaltigkeit und Ökologie widmen, um die steigende Nachfrage nach Öko-Investments zu befriedigen.

Große Gewinne waren mit diesen Produkten zuletzt jedoch nicht zu erzielen. Auf Sicht von einem Jahr lagen sämtliche Nachhaltigkeitsfonds in der Verlustzone. Die beste Wertentwicklung zeigten noch Renten- und Mischfonds. Dagegen rangieren Branchenfonds, die gezielt alternative Energieanbieter setzen, am unteren Ende der Tabelle. Kritiker unken bereits, dass die Chancen alternativer Investments während des Börsenbooms überschätzt worden seien.

Norbert Toups, der bei der Fondsgesellschaft Ökorenta für den Ökovision zuständig ist, vertritt eine andere Meinung: "Ökologie und Vorsorge für das Lebensumfeld sind in der westlichen Welt zu einem ganz normalen Standard geworden. Inzwischen erzielen Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, bessere Ergebnisse. Das schafft auch eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten."

Mit der Entwicklung des Ökovision kann Toups noch relativ zufrieden sein. Zwar musste auch dieser Fonds im vergangenen Jahr einen Kursverlust von 25 Prozent hinnehmen, auf Sicht von drei Jahren liegt er hingegen nur knapp im Minus, auf fünf Jahre sogar im Plus. "Wir haben unseren Schwerpunkt auf Öko-Pioniere gelegt, die in den vergangenen Jahren besser gelaufen sind als der Markt", erklärt Toups das vergleichsweise gute Abschneiden des Fonds. Neben Öko-Unternehmen umfasst der Fonds auch Werte großer Unternehmen wie Electrolux oder IBM, die sich als Vorreiter im Feld Umweltmanagement einen Namen gemacht haben. Keine Chance haben dagegen Werte aus den Bereichen Atomenergie und Rüstung.

In Unternehmen dieser Branchen investiert auch Stefan Müller vom Management-Team des Activest Lux Eco Tech nicht. Um so mehr setzt er gegenwärtig auf das Thema Windkraft. "Windenergieunternehmen sind inzwischen sehr günstig bewertet." Von einer Erholung des Sektors soll der Eco-Tech-Fonds profitieren, so wie er unter dem rasanten Kurssturz gelitten hat. "Wir haben die Märkte in ihrer Abwärtsdynamik unterschätzt und zu früh auf eine Erholung gesetzt", gesteht Müller. Knapp ein Drittel seines Wertes verlor der Activest-Fonds im vergangenen Jahr und lag damit im Mittelfeld der Performance-Tabelle.

Ein rückläufiges Interesse an Produkten des Öko-Segmentes kann sich Müller nicht vorstellen - im Gegenteil: "Vor allem in Deutschland ist das Thema Ökologie durch die Flutkatastrophe wieder stark in den Fokus gerückt worden." Das Hochwasser habe gezeigt, dass nachhaltiges Handeln absolut notwendig sei.

Helge Staack, Leitender Produktmanager bei der Fondsgesellschaft DWS sieht den Trend zu Nachhaltigkeit ebenfalls ungebrochen: " In den USA sind bereits etwa zehn Prozent aller Vermögen in diesem Bereich investiert, Deutschland hat hier mit einem Anteil von rund einem Prozent noch Nachholbedarf." Im Juni hat die DWS deshalb den DWS Sustainability Invest Leaders auf den Markt gebracht. Der Fonds investiert in Werte mit "ökonomischer, ökologischer und sozialer Kompetenz". Nicht nur Umwelttechnik-Unternehmen können aus Öko-Aspekten in das Portfolio genommen werden. Auch Werte wie VW, die bei der Entwicklung des Wasserstoffmotors Vorläufer sind, oder Intel, die stromsparende Prozessoren fertigen, haben dort Platz.

Nicht zuletzt durch die öffentliche Aufmerksamkeit durch den Johannesburg-Gipfel erwartet die DWS ein wachsendes Interesse an Öko-Produkten und reagiert darauf. "Der Trend wird sich noch verstärken", glaubt Staack. Zum Vorteil der Anleger: In der Vergangenheit haben sich Öko-Investments besser entwickelt als der Markt. "Das sollte auch künftig wieder so sein."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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