Uno ruft 2003 zum Gipfel über die Informationsgesellschaft auf
Nur wer „drin“ ist, gehört dazu

Die Vereinten Nationen suchen offensichtlich nach olympischen Rekorden. Groß, größer, am größten - der nächste Uno-Gipfel der Superlative steht 2003 in Genf an. Nach der Welternährung und der Nachhaltigkeit widmet sich die Weltgemeinschaft der Informationsgesellschaft.

HB DÜSSELDORF. Vom 10. bis zum 12. Dezember geht es um die "Entwicklung einer gemeinsamen Vision und des Verständnisses der Informationsgesellschaft". Auf einer Folgekonferenz sollen 2005 die Genfer Ergebnisse in Tunis in verbindliche Texte gegossen werden.

Mehr als die gemeinsame Vision drängen nüchterne Fakten dazu, dass sich Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen und Vertreter der Bürgergesellschaft endlich global mit dem Thema Internet beschäftigen. "Wir suchen Wege, die Kluft zu schließen zwischen denen, die Zugang zum globalen Informations- und Kommunikationsnetwork haben, und denen, die ihn nicht haben", heißt es in den umfangreichen Absichtserklärungen der Organisatoren des Genfer Gipfels.

619 Millionen Menschen auf der Welt haben nach dem Stand von September 2002 einen Internet-Anschluss. 2004 werden es schon 940 Millionen sein, wie das Marktforschungsunternehmens Global Research ermittelt hat.

Entwicklung schneller als die Statistik

Die Entwicklung ist schneller als die Statistik. Längst geht es beim Phänomen der "digitalen Kluft" nicht mehr nur um den Kontrast zwischen reichen Industriestaaten und technisch hinterher hinkenden Entwicklungsländern. Selbst wenn die für die Statistiken oft bemühte Zahl der Telefonanschlüsse in Afrika noch immer weit unter der Anzahl der Internet-User in den USA liegt, so kann etwa das Uno-Entwicklungsprogramm UNPD auf große Erfolge mit Internet-Cafés in der ägyptischen Provinz verweisen.

Die Gleichung je größer die Armut, desto schlechter der Zugang zum Internet ist zwar noch gültig, doch auch in den hochentwickelten Ländern wächst die Kluft zwischen denen, die "drin" sind und den so genannten Nicht-Nutzern. Bildungsexperten müssen künftig berücksichtigen, dass es nicht ausreicht, einen Computer mit Internetanschluss zu haben. Man muss auch damit umgehen können.

Digitale Kluft auch in Deutschland

Die digitale Kluft gibt es auch in Deutschland. Je höher das Einkommen, desto größer die Zahl der Internetnutzer. Auch der Bildungsstand ist entscheidend. Nur 12 Prozent der Menschen mit Volksschulabschluss und ohne abgeschlossene Lehre gehören zu den 42 Millionen deutschsprachigen Internet-Usern. Deutschland hat unter den Industrienationen in Schlüsselbereichen der Informations- und Kommunikationstechnologie nur einen Platz im Mittelfeld, lautet das Fazit einer Studie der Management-Beratung Booz-Allen&Hamilton. Wer nicht online ist, dem drohen Ausgrenzungseffekte bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, beim Bezug von Dienstleistungen und in der Weiterbildung.

Höchste Zeit also für eine globale Beschäftigung mit der Informationsgesellschaft im Zeitalter des Internetbooms, in der laut Jeremy Rifkin, dem Vorsitzenden der Washingtoner Foundation on Economic Trends, längst ein neues ökonomisches System entstanden ist: "Der Austausch von Waren in Märkten weicht den Erfahrungen in Netzwerken. Die Menschen werden nicht mehr nach ihrem Besitz beurteilt, sondern nach dem Zugang, den sie haben."

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