Uno-Waffenkontrollen
Analyse: Blix arbeitet nur noch auf Abruf

Hans Blix muss frustriert sein: Das Interesse an seinem Job wird von Tag zu Tag geringer. Dabei ist sein Amt, das brisanteste, was die Weltgemeinschaft zurzeit zur vergeben hat.

Hans Blix muss frustriert sein. Da hat der Chef der Waffenkontrollkommission im Irak das wohl brisanteste Amt inne, das die Weltorganisation zurzeit zu vergeben hat. Doch das Interesse an seinem Job wird von Tag zu Tag geringer. Als er Ende Januar die ersten, bei seiner Mission im Zweistromland gewonnenen Erfahrungen zu Protokoll gab, war noch eine gewisse Spannung zu spüren: Wirft er dem Regime in Bagdad eine massive Verletzung der Resolution 1441 vor, mit der der Weltsicherheitsrat im November vom Irak vollständige Abrüstung und bedingungslose Kooperation mit der Blix-Truppe forderte? Die Antwort war letztlich aber kaum eine Schlagzeile wert. Die von Blix gewählte Formel "Ja, aber . . ." lässt sich je nach Gusto deuten. Als gelernter Diplomat beherrscht Blix eben das Vokabular seiner Zunft. Und wenn er heute seinen inzwischen vierten Bericht abliefert, wird er dies erneut unter Beweis stellen.

Nun darf man dem früheren schwedischen Außenminister kaum unterstellen, nicht präzise formulieren zu können. Nur: Er darf es einfach nicht. Zunächst konnte es noch als Vorteil gewertet werden: Die einschlägige Resolution 1441setzt Blix für seine Arbeit keine Fristen. Es sah also so aus, als ob er und seine Experten vor Ort gründlich recherchieren könnten, um dann, wenn sie den richtigen Zeitpunkt dafür sehen, ein griffiges Ergebnis zu präsentieren. Doch diese Annahme hat sich längst als Handicap erwiesen. Iraks Diktator Saddam Hussein ist reif, tönten von Anbeginn jene, die behaupteten, das Ergebnis der Inspektionen schon zu kennen: Bagdad kooperiert nicht, verfügt über Massenvernichtungswaffen und ist bereit, diese einzusetzen. Wenn man berücksichtigt, wie diffizil und langwierig die Aufgabe ist, die die Waffeninspekteure im Irak erledigen müssen, kann ein derartiges Präjudiz nur als schallende Ohrfeige für die Inspekteure bewertet werden.

Auch die gegenwärtige, bizarr anmutende Diskussion über den von der US-Regierung und ihrer "Koalition der Willigen" formulierten Entwurf einer weiteren Irak-Resolution ist alles andere als motivierend. Zwar versucht die Ablehnungsfront mit Russland, Frankreich und China an der Spitze, den Waffeninspekteuren den Rücken zu stärken. Aber solche Ambitionen sind offensichtlich zum Scheitern verurteilt. Denn das Votum von US George W. Bush und Co. -Präsident steht schon lange fest: Mit oder ohne Zustimmung des höchsten Uno-Gremiums - der Diktator am Tigris hat keine Chance. Die Messer sind gewetzt.

Insofern ist es in der Sache völlig ohne Bedeutung, ob der Resolutionsentwurf dem Weltsicherheitsrat nun zur Abstimmung vorgelegt wird oder nicht. Den Protagonisten geht es allenfalls noch darum, ihr Ego nicht allzu stark ankratzen zu lassen. Für die Mannschaft von Hans Blix bedeutet das fast zwangsläufig, dass ihre Tage im Irak gezählt sind. Angesichts der massiven Truppenpräsenz am Golf müssen die Inspekteure stets damit rechnen, von der Uno zur Rückkehr aufgefordert zu werden, wobei der Marschbefehl letztlich von Washington diktiert wird. Es wäre ein Gebot der Ehrlichkeit, sie rasch darüber zu informieren. Erinnerungen an das Jahr 1998 werden wach: Auch damals wurden die Waffeninspekteure Hals über Kopf nach Hause beordert. Wenige Tage später bombardierten Amerikaner und Briten Bagdad im Rahmen einer massiven Strafaktion - ebenfalls ohne Uno-Mandat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%