"Unprofessionelle Infomationspolitik"
Kritik an der Deutschen Telekom wächst

Die Deutsche Telekom AG gerät wegen ihrer Informationspolitik im Zusammenhang mit den Verkäufen von Großaktionären zunehmend in die Kritik. "Die Informationspolitik der Telekom ist unprofessionell und eines Dax-Wertes nicht würdig", sagte Marc Tüngler, Telekom-Experte bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Handelsblatt.

HB BERLIN. Der FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle kritisierte, dass Verunsicherung unter Kleinanlegern ausgelöst worden sei. Auch bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die für die Beschäftigten der ehemaligen Bundespost zuständig ist, ist man nach Aussage einer Sprecherin "ungehalten über den massiven Kursrutsch, zumal die Telekom gegenüber der Öffentlichkeit immer auf die Haltefristen verwiesen hat."

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der finnische Telekom-Konzern Sonera im Juni und Juli 21,9 Mill. T-Aktien verkauft hatte, obwohl das Unternehmen bis Ende August zum Halten der Aktien verpflichtet gewesen wäre. Die Telekom hatte dem Verkauf zugestimmt, dies aber erst jetzt bekannt gemacht. Ein Telekom-Sprecher begründete das Vorgehen damit, dass sich die Telekom an ihre Vertraulichkeitsvereinbarung habe halten müssen, um den Sonera-Aktienkurs nicht auf Talfahrt zu schicken. Außerdem habe man zum Zeitpunkt, als die Deutsche Bank 44 Millionen T-Aktien des Investors Hutchison auf den Markt warf, noch darauf gehofft, dass sich der Kurs schneller erholen würde. "Aus heutiger Sicht hätten wir das vielleicht anders gemacht", sagte der Sprecher.

Nach Ansicht der DSW hätte die Telekom unverzüglich über die Zusatzvereinbarung informieren müssen. Allerdings räumte Tüngler ein, dass dadurch die T-Aktien wohl zusätzlich unter Druck geraten wären. Eine Pflicht, in solchen Fällen eine Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen, gebe es nicht, betonte der Mainzer Kapitalmarktrechtler Peter Mülbert. Diese bestehe nur bei Informationen, die für die Geschäfte relevant sind.

Diese Lücke wird möglicherweise durch das geplante 4. Finanzmarktförderungsgesetz geschlossen: Das Bundesfinanzministerium bereitet Vorschriften über Halte-Regeln von Aktien sowie über die Veröffentlichungpflichten vor. Finanzminister Hans Eichel (SPD) geht es darum, Börsengänge und Aktienverkäufe von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern transparent zu machen. Als Sanktionen sind Bußgelder und die Haftung für die Verluste von Aktionären vorgesehen. Inwieweit auch die Einhaltung von Haltefristen gesetzlich geregelt wird, prüfen derzeit noch die Experten, so eine Sprecherin Eichels. An der Börse legten die T-Aktien gestern 2 % zu.

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