Unrealistische Preiserwartungen
Vivendi lässt Frist für Universal-Verkauf verstreichen

Kein Gebot erreicht die geforderten 14 Milliarden Dollar – Konzernchef Fourtou erwägt Fusion der Sparte mit einem US-Medienunternehmen

wsj NEW YORK. Gestern ist eine weitere Frist zur Abgabe von Angeboten für die Unterhaltungssparte von Vivendi Universal abgelaufen. Doch der französische Medienkonzern hat offenbar kein Gebot in der angestrebten Höhe von 14 Mrd. $ erhalten.

Vivendi-Chef Jean-René Fourtou plant deshalb offenbar, die Sparte mit einem US-Medienkonzern zu fusionieren - im Tausch gegen Aktien des US-Unternehmen. Fourtou bevorzuge die Fernsehtochter des Mischkonzerns General Electric, NBC, für einen solchen Zusammenschluss. Ein ähnliches Geschäft sei aber auch mit dem Medienriesen Viacom und mit einer Investorengruppe unter Führung von Edgar Bronfman möglich.

Die Fusion ist jedoch nur eine Notlösung. Vivendi plant derzeit, Vivendi Universal Entertainment (VUE) für 14 Mrd. $ zu verkaufen. Zu der Gruppe gehören die Universal Film- und Fernsehstudios, Freizeitparks und die US-Kabelkanäle USA und SciFi.

Nach mehr als zwei Monaten hat die Auktion nun deutlich an Schwung verloren. Mehrere Interessenten hatten die Preiserwartungen von Vivendi bereits als unrealistisch bezeichnet. Der Bieterkreis wurde deshalb immer kleiner. Zuletzt hatte der Kabelfernseh-Anbieter Comcast Corp. in der vergangenen Woche sein Kaufangebot zurückgezogen. Die Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) waren bereits vor knapp drei Wochen überraschend aus dem Rennen ausgestiegen. Vivendi hatte daraufhin in Aussicht gestellt, die Auktion zu beenden.

Seit Wochen schon verhandelt General Electric (GE) mit Vivendi und wird es nach Ansicht von Branchenbeobachtern wohl nicht für nötig halten, ein offizielles Angebot abzugeben. GE hat bisher kein Geld auf den Tisch gelegt - für Vivendi ein wichtiges Entscheidungskriterium. Es ist derzeit noch nicht abzusehen, ob GE seine Verhandlungsbasis ändern wird. Das Geschäft mit GE hätte für Vivendi einige entscheidende Vorteile: Da GE Vermögenswerte im Austausch gegen Aktien in ein privates Unternehmen einbringen würde, könnte Vivendi die Fusion dann höher bewerten als bei einer Barzahlung. NBC könnte von den Kabelkanälen und Studios von VUE profitieren.

Auch die Investorengruppe um Bronfman bleibt ein ernst zu nehmender Bieter, heißt es aus Unternehmenskreise. Vertreter der Gruppe hätten in der letzten Woche zwei längere Gespräche geführt. Zu der Gruppe gehört die Cablevision Systems Corp., die ihren Rainbow-Kabelkanal mit Vivendi fusionieren möchte. Das Kaufangebot beinhaltet eine Barzahlung vorab und einen großen Anteil für Vivendi an einem gemeinsamen Unternehmen mit Aussicht auf baldigen Börsengang.

Der Vorstand von Vivendi wird sich voraussichtlich am 26. August treffen. Konzernchef Fourtou hofft, dass das Gremium dann entscheiden wird, mit welchem der Bieter exklusive Verhandlungen geführt werden, heißt es aus dem Unternehmen nahe stehenden Kreisen. In dieser Situation werde es jedoch für die Beteiligten schwierig, den Zeitplan einzuhalten. Hinzu komme, dass die Arbeitsmoral und das tägliche Geschäft bei Vivendi unter der Auktion bereits sehr gelitten hätten. Das gelte vor allem für die Universal Filmstudios, da deren zukünftiger Besitzer nicht feststehe.

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