Unruhen nach Ausrufung des Ausnahmezustands
Elfenbeinküste: Juntachef Guei auf der Flucht

Der Juntachef General Robert Guei, der sich zum Sieger der jüngsten Wahlen in der Elfenbeinküste erklärt hat, ist auf der Flucht. Seine Familie soll sich bereits in Benin aufhalten.

dpa ABIDJAN/PARIS. Der Juntachef der Elfenbeinküste, General Robert Guei, ist nach Augenzeugenberichten vor den Protesten Zehntausender geflüchtet und hat Abidjan mit unbekanntem Ziel verlassen. Entsprechende Informationen aus Frankreich wurden in dem westafrikanischen Land bestätigt. Die Familie des Generals soll sich bereits in Benin aufhalten. Als bekannt wurde, Guei sei nicht mehr in Abidjan, jubelten mehrere tausend Menschen auf den Straßen der Wirtschaftsmetropole.

Guei hatte sich am Dienstag zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt und unmittelbar darauf den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Bei der Niederschlagung von Demonstrationen sollen nach Oppositionsangaben neun Menschen getötet worden sein. Auch wurde die Präsidentengarde von Guei-feindlichen Soldaten angegriffen.

Der französische Entwicklungshilfeminister Charles Josselin erklärte in Paris, Guei habe den Präsidentenpalast in Abidjan mit einem Hubschrauber verlassen. Josselin sagte dies dem Radiosender France Inter. Zuvor hatte der französische Außenminister Hubert Vedrine erklärt, der versuchte Coup von Guei scheine vor dem Scheitern zu stehen. Dringend sei jetzt eine Rückkehr zu einer verfassungsmäßigen Situation, sagte Vedrine.

Sozialist Gbagdo hatte sich ebenfalls zum Staatschef ernannt

Der wahrscheinliche Wahlsieger, der Sozialist Laurent Gbagbo, hatte sich in einer Reaktion auf das Vorgehen Gueis am Dienstag ebenfalls zum Staatschef ernannt. Er rief seine Anhänger zum Widerstand auf. Vor ihrer Auflösung durch die Militärs hatte die nationale Wahlkommission Gbagbo mit 51,35 Prozent vor Guei (40,4 Prozent) gesehen. Doch auch die Armee stand nicht geschlossen hinter Guei. Soldaten griffen in der Nacht die Kaserne der Präsidentengarde an.

Zuvor war es auch in anderen Landesteilen zu Protesten gekommen. So soll das öffentliche Leben in der zweitgrößten Stadt Bouake (330 000 Einwohner) stillgestanden haben, nachdem dort Demonstranten alle Zugangswege blockiert hatten. Auch in der Hafenstadt San Pedro gab es Demonstrationen. Vor der Flucht Gueis störten die Behörden internationale Nachrichtensender, die über Satellit empfangen werden.

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