"Uns gehören die Nächte"
Einsatz von US-Eliteeinheiten steht bevor

Sie kommen im Schutz der Nacht. Mit Nachtsichtgerät ausgestattet, werden sie von Spezialhubschraubern im unwirtlichen Gelände Afghanistans abgesetzt und verschwinden im Dunkeln. 45.000 Männer zählen die US-Spezialeinheiten. "Die Männer sind die James Bonds´ oder Ninjas auf dem Gebiet da draußen", sagt der pensionierte US-Generalmajor Donald Shepperd.

ddp. WASHINGTON. Einsätze von Eliteeinheiten - Insidern im Ernstfall unter dem Motto "Vom Himmel zur Hölle" bekannt - bei denen Fallschirmjäger hinter feindlichen Linien abspringen, stehen kurz bevor - oder sind bereits angelaufen. Darin sind sich in Militärkreisen in Washington derzeit alle einig - auch wenn es aus dem Pentagon dazu keine offiziellen Angaben gibt.

Zu Beginn der täglichen Bombenangriffe auf Afghanistan, die den USA durch die Zerstörung der Luftabwehr der Taliban nach eigenen Angaben mittlerweile eine "Lufthoheit" gesichert haben, waren jedenfalls schon Einheiten zur geheimdienstlichen Aufklärungsarbeit vor Ort tätig. Das hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld indirekt bestätigt.

Und inzwischen ist unter anderem bekannt, dass die "Army 10th Mountain Division", die auch auf Wintereinsätze spezialisierte US-Gebirgsjäger-Division, in Afghanistans Nachbarstaat Usbekistan eingetroffen ist. Weitere Eliteeinheiten könnten von den jetzt in Pakistan bereitgestellten Luftstützpunkten oder von Flugzeugträgern wie der Kitty Hawk im Persischen Golf eingeflogen werden.

Nach verheerenden Erfahrungen mit dem Einsatz von Bodentruppen in Vietnam und dem Desaster der Sowjets in Afghanistan in den 80er Jahren zögern die USA offenbar vor einem groß angelegten Angriff im Stil des Golfkriegs. "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass wir uns in Form eines längeren Bodentruppenkrieges engagieren werden", sagt der demokratische Senator John Edwards.

US-Präsident George W. Bush machte ebenfalls klar, dass "der neue Krieg" mit anderen Methoden als üblich ausgetragen werden wird. Es werde "an allen Fronten gekämpft werden" müssen. Schnelle Zugriffaktionen,"´rein und ´raus", scheinen eher das Gebot der Stunde als konventionelle Kriegsführung, da die Schlupfwinkel von Osama Bin Laden, Mitgliedern seines terroristischen Netzwerks und der Taliban erkundet werden müssen.

"Dem Heranschaffen von Informationen kommt eine Schlüsselrolle zu", sagt auch Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und fügt hinzu: "Wir glauben nicht daran, nur unsere Militärstärke unter Beweis zu stellen, indem wir Ziele bombardieren. Was wir wollen ist, effektiv zu sein." Den Spezialeinheiten, die nicht nur das härteste Militärtraining bestehen müssen, sondern oft in Sprache und Kultur ihres Einsatzlandes geschult sind, kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Zwar scheint die Luftabwehr der Taliban zerschlagen. Aber die Gefahr ist längst nicht gebannt. Denn die Taliban-Anhänger werden sich ihre transportablen Luftabwehr-"Stinger"-Raketenwaffen, mit denen der US-Geheimdienst CIA die Guerillas zu Zeiten des Kalten Krieges ausgestattet hatte, "aufgespart" haben. Jeder noch so hochmoderne US-Hubschrauber, der Elitetruppen absetzt, ist ein "gefundenes Fressen" für einen Abschuss per Zielfeuerwaffe - besonders bei Tageslicht. "Uns gehören die Nächte", sagt deshalb auch der frühere Spezialtruppen-Kommandeur David Grange.

US-Spezialeinheiten wie die Army Green Berets oder die Super-Elite der "Delta Force", die nur aus 360 Mann besteht, werden im Jahr vom Pentagon mit 3,7 Milliarden Dollar finanziert. Sie können in kleinen Gruppen direkt mit der Ergreifung bin Ladens beauftragt werden oder den Boden für weitere Spezialtruppen bereiten. Ihre Einsätze sind riskant - und nicht immer von Erfolg gekrönt. So scheiterte unter Präsident Jimmy Carter 1980 eine Befreiungsaktion von amerikanischen Geiseln im Iran.

Die Spezialeinheiten haben aber noch andere Aufgaben. Die Ausbildung der Soldaten der Nordallianz, die seit Jahren gegen die radikal-islamischen Taliban kämpfen, könnte auch dazu gehören. «Sie (die Spezialeinheiten) trainieren, um andere zu auszubilden», sagt Anna Simons von der Marine-Akademie in Monterey, Kalifornien. «Das ganze Rambo-Image (in der Öffentlichkeit) ist eine unglaubliche Übertreibung ."

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