Unscheinbar und unverzichtbar
Ewerthon auf Amorosos Spuren

Er ist klein und unscheinbar - aber unverzichtbar. Ewerthon Henrique de Souza ist auf gutem Weg, seinem prominenteren Vereinskollegen und Landsmann Marcio Amoroso den Rang abzulaufen.

HB/dpa EINDHOVEN. Spätestens seit der 21 Jahre alte Ewerthon Borussia Dortmund am 4. Mai mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Bremen zur deutschen Meisterschaft schoss, haben ihn die Fans des Revierclubs in ihr Herz geschlossen. Auch innerhalb des mit Stars gespickten BVB - Kaders genießt der Brasilianer mittlerweile höchste Anerkennung. "Er hat Amoroso ein bisschen vergessen lassen und ist für uns genauso wichtig", sagte Torhüter Jens Lehmann.

Noch am Samstag avancierte Ewerthon einmal mehr zum Matchwinner. Sein erfolgreich abgeschlossener Sololauf in der 85. Minute bescherte dem Team den 1:0-Erfolg über Borussia Mönchengladbach. Damit räumte der 63 Kilogramm leichte "Samba-Floh" ("Bild") endgültig letzte Zweifel an seiner Klasse aus. "Wir haben die Entscheidung getroffen, ihn ganz zu kaufen und wollen die Sache möglichst schnell vom Tisch haben", sagte Dortmunds Manager Michael Meier im Vorfeld des Champions-League-Duells beim PSV Eindhoven.

Denn noch ist der BVB nicht im Besitz der kompletten Transferrechte. Vor einem Jahr überwies der Club lediglich die Hälfte der Gesamtsumme in Höhe von 7,4 Mill. Euro. Die bis zum 15. Juli 2003 gültige einseitige Option der Borussia auf die zweite Hälfte soll nun früher gezogen werden. Erste Gespräche mit Ewerthons ehemaligem Verein Corinthians Sao Paulo wurden bereits geführt. Aus gutem Grund drückt Meier aufs Tempo: "Dieser Junge hat eine Riesen- Zukunft, er ist leichtfüßig und spielt mit großer Freude Fußball."

Anders als der mitunter divenhafte Amoroso hat sich Ewerthon als mannschaftsdienlicher und pflegeleichter Profi bewährt. Die Hilfe des bereits im Jahr 1998 nach Dortmund gewechselten Leonardo Dede erleichterte die rasche Integration des zurückhaltenden sechsmaligen Nationalspielers. Und der machte von Beginn an von sich reden. Nach nur 666 Sekunden im Trikot seines neuen Arbeitgebers glückte ihm Ende September 2001 am Hamburger Millerntor gegen St. Pauli der erste Bundesliga-Treffer. Weitere 13 kamen bisher hinzu. Das erfüllt den pfeilschnellen Angreifer mit Stolz: "Wenn ich diese Torquote halten kann, werde ich automatisch so berühmt wie Amoroso."

Von dessen Kaltschnäuzigkeit ist Ewerthon jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Vor allem auswärts tat er sich mit dem Toreschießen zuletzt schwer und vergab Chancen en masse. Seinen letzten Bundesliga-Treffer in der Fremde steuerte er zum 1:1 Mitte Dezember bei Werder Bremen bei. Aufkommende Kritik konterte Sammer jedoch stets mit dem Hinweis auf das Alter des Stürmers.

Und auch Manager Meier ließ keine Schelte zu. Ganz Kaufmann, hat er bei seinen Bemühungen um eine schnelle Einigung mit Ewerthons ehemaligem Club noch einen Hintergedanken. "Wenn man sich vorher einigt und die Liquidität eher fließt", vertraute er dem Fachmagazin "kicker" an, "dann ist vielleicht ein kleines Skonto möglich."

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