"Unsere Spieler sind zu verwöhnt"
Hoeneß verlangt von neuem Trainer harte Hand

Bayerns Manager Uli Hoeneß verlangt von dem neuen Trainer, dass er die Spieler wieder auf den Pfad der Tugend zurückbringt. In einem Interview präzisiert er seine Kritik an Ottmar Hitzfeld und kündigt Neuverpflichtungen an.

HB GYÖR. Herr Hoeneß, wann sind Sie zu dem Entschluss gekommen, sich von Ottmar Hitzfeld vorzeitig zu trennen?

Hoeneß: "Ich für mich in der ersten Halbzeit des Spiels gegen Werder Bremen, in der wir 0:3 zurücklagen, in einem Spiel um die deutsche Meisterschaft. Montagmorgen haben wir dann in einer Vorstandssitzung gesagt, dass wir aktiv werden wollen. Der Aufsichtsrat hat das gebilligt. Aber hätte die Mannschaft gegen Werder gezeigt, wir wollen mit diesem Trainer noch einmal angreifen, dann hätten wir das eine Jahr durchgezogen. Denn es geht auch um einen Menschen. Und einen Menschen killt man nicht so leicht."

Obwohl die Entscheidung gegen Hitzfeld gefallen war, haben Sie ihm vor dem Stuttgart-Spiel noch nichts davon gesagt?

Hoeneß: "Das hätte ich gar nicht sagen können, weil wir erst am Samstag gewisse Gespräche führen mussten. Denn eines war klar: Wenn wir keine Alternativen haben, dann beenden wir nicht ein Verhältnis."

Was erwarten Sie von der Mannschaft im letzten Spiel am Samstag gegen Freiburg?

Hoeneß: "Ich erwarte ein Geschenk von der Mannschaft an Ottmar Hitzfeld, eine großartige Leistung zum Abschied für diesen großartigen Menschen, der ihnen alle Freiheiten gelassen hat. Die Mannschaft ist mit seiner langen Leine nicht fertig geworden."

Was erwarten Sie vom neuen Trainer?

Hoeneß: "Er muss mit ziemlich harter Hand den einen oder anderen Spieler wieder auf den Pfad der Tugend zurückbringen, nämlich, dass Fußball ein Laufspiel ist und dass man kritisiert werden darf, wenn man Mist spielt. Unsere Spieler sind alle viel zu verwöhnt. Es ist ihnen zu gut gegangen. Da muss ein Schnitt her."

Über einen Trainerwechsel hatten Sie sich aber doch schon zu einem früheren Zeitpunkt Gedanken gemacht, oder?

Hoeneß: "Wir haben Felix Magath schon seit einigen Wochen unter Vertrag zum 1. Juli 2005. Damit ist doch klar, dass wir uns Gedanken gemacht haben. Es war nur die Frage: Lassen wir Ottmar Hitzfeld früher über die Klinge springen? Sowas tue ich nicht ohne weiteres."

Wenn Sie Magath 2005 unter Vertrag haben, dann werden Sie jetzt doch alles unternehmen, damit er schon im Sommer kommt?

Hoeneß: "Dass er zu uns kommt, war immer klar. Jetzt ist die Frage, was machen wir zum 1. Juli 2004? Das werden wir am Wochenende bekannt geben."

Warum ist die Wahl auf Felix Magath gefallen?

Hoeneß: "Weil er bekannt dafür ist, dass er auf große Namen keine Rücksicht nimmt, dass er eine Mannschaft mit einer ziemlich straffen Hand führt, und dass er sie zum Laufen bringt. Das haben wir vom Vorstand seit Monaten reklamiert. Das hat Ottmar Hitzfeld nie so gesehen, aber wir wollten in diesem Punkt eine Änderung. Und wir haben nicht nur die Hausaufgaben in Sachen Trainer gemacht. Wir haben auch sehr viel in der Spieler-Politik gemacht, und das werden wir hoffentlich in den nächsten zwei Wochen bekannt geben können."

Gibt es eine finanzielle Schmerzgrenze bei den Verhandlungen mit dem VfB über eine vorzeitigen Magath-Verpflichtung?

Hoeneß: "Über finanzielle Dinge wird es keine Aussagen geben. Wir werden eine Lösung finden. Aber es wird keine Entschädigung geben."

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