Unsichere Geschäftsentwicklung
Analysten sind bei Rösch zurückhaltend

Angesichts deutlich verfehlter Planzahlen und einer unsicheren Geschäftsentwicklung beurteilen Analysten die Zukunftsperspektiven des Berliner Medizintechnik-Unternehmens Rösch AG derzeit zurückhaltend.

Reuters FRANKFURT. Die am Neuen Markt gelistete Gesellschaft hatte Anfang Juni wegen der ausstehenden Krankenkassenzulassung ihres Hauptproduktes für die ersten neun Monate 2000/01 nach HGB-Bilanzierung einen um rund 32 % höher als erwarteten vorläufigen Fehlbetrag von 4,1 Mill. Euro ausgewiesen. Gleichzeitig hatte Rösch die Prognosen für das Gesamtjahr 2000/01 deutlich gesenkt. Für das Hauptprodukt des Unternehmens, das nadelfreie Injektionssystem INJEX, rechnet der Medizintechnik-Anbieter nun mit einer Krankenkassenzulassung bis Ende des Jahres. "Ich sehe die Geschäftsentwicklung bei Rösch momentan mit starken Risiken verbunden", sagte DG-Bank Analyst Jochen Badouin, der Anlegern zum Verkauf von Rösch-Aktien rät.

Die Aktie der Rösch AG , die am Montag zwischenzeitlich auf ein neues Jahrestief gefallen war, erholte sich im Handelsverlauf bei dünnen Umsätzen wieder und legte um mehr als elf Prozent auf 10,95 Euro zu.

"Bisher hat sich die nadelfreie Injektion weder in den USA noch in Deutschland durchgesetzt", sagte Badouin. So empfehlen Diabetes-Dachorganisationen nach Angaben von Badouin diese Form der Insulin-Verabreichung nur in Ausnahmefällen. Da der Diabetes-Markt jedoch den Großteil des Marktpotenzials des INJEX-Produkts ausmache, sei die Zukunft von Rösch eng mit diesem Marktsegment verbunden.

Auch Concord Effekten-Analyst Ronald Köhler macht die weitere Entwicklung von Rösch vom Erfolg des vom Unternehmen entwickelten Injektionssystem abhängig. "Rösch muss bei den Krankenkassen die Kostenrückerstattung für das System erhalten und eine groß angelegte Marketing-Aktion durchführen, um ihr Produkt endlich bekannter zu machen." Bis diese Bedingungen erfüllt seien, gebe es sicherlich Risiken bei Rösch. Den fairen Wert der Aktie beziffert Köhler auf 14 bis 18 Euro.

Rösch optimistisch

Unterschiedlich beurteilen die Analysten die möglichen Auswirkungen des in der klinischen Prüfphase befindlichen inhalierbaren Insulins Exubera durch die Pharmakonzerne Aventis und Pfizer auf Rösch. "Sollte sich das inhalative Insulin durchsetzen, wäre das ein negatives Moment für Anbieter nadelfreier Injektionssysteme wie Rösch", betonte DG-Bank-Analyst Badouin.

Dagegen hält sein Kollege von der Concord Effekten AG die Folgen für Rösch für gering. "Ich würde das nicht als direkte Bedrohung für Rösch sehen, der Markt ist groß genug für verschiedene Systeme", sagte Köhler. Zudem sei die inhalative Insulin-Verabreichung nur für leichte Diabetes-Fälle geeignet, bei schweren Krankeitsformen müsste Insulin auch weiterhin gespritzt werden.

Der Vorstandschef der Rösch AG, Andy Rösch, sieht in der Entwicklung eines inhalierbaren Insulin-Präparats ebenfalls keine Auswirkungen auf die künftige Geschäftsentwicklung seines Unternehmens. "Die Entwicklung eines inhalativen Insulins ist seit längerem geplant und stellt keine direkte Konkurrenz für uns dar", sagte Rösch am Montag. Außerdem sei dies bereits in den Planungen der Medizintechnik-Gesellschaft berücksichtigt.

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