Unsicherheit an den Börsen erschwert Kapitalanlage
Versicherer stehen vor hohen Hürden

Volatile Börsen und steigende Aufsichtsanforderungen - die Kapitalanlage für Versicherungen wird schwieriger. Deshalb werden immer mehr kleine Gesellschaften ihr Anlagemanagement abgeben, erwarten die Rückversicherer. Sie wollen sich als Vermögensberater und-verwalter der Versicherer profilieren.

ZÜRICH/DÜSSELDORF. Die schwache Börsenentwicklung des vergangenen Jahres hat bei Versicherern Blessuren hinterlassen. Quer Beet verzeichneten sie sinkende Anlageergebnisse. "Angesichts volatiler Börsen, niedriger Zinsen und steigender Qualitätskontrollen durch die Versicherungsaufsicht wird die eigenständige Anlage für kleinere Versicherer in Deutschland schwieriger," diagnostiziert Norbert Kranz, Geschäftsführer bei der GeneralCologne Re Capital. Die Kapitalanlagetochter des Kölner Rückversicherers ist seit zwei Jahren am Markt. Sie berät vor allem Erstversicherer bei der Optimierung ihrer Anlagestrategie (ALM Asset Liability Management). Von einigen Versicherern hat GeneralCologne die Vermögensverwaltung übernommen. Auch die Münchener Rück beobachtet eine steigende Nachfrage nach Unterstützung bei der Anlagepolitik. "Kunden und Aktionäre stellen immer höhere Anforderungen an die Kapitalanlage von Versicherern", sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Neu in dieses Geschäft steigt in Deutschland nun die Swiss Re ein. Sie startet mit der Swiss Re Asset Management KAG mbH. Die KAG erwarb sie von der CDC Ixis. Als Kunden nimmt der weltweit zweitgrößte Rückversicherer ebenfalls Versicherer ins Visier. "Vier von fünf Erstversicherern sind für uns potenzielle Kunden," erklärt Giuseppe Benelli, CIO bei Swiss Re, dem Handelsblatt. "Wir fokussieren uns auf Versicherungen, weil wir deren Anlageverhältnisse und-bedürfnisse aus eigener Anschauung kennen." Bei der Vermögensverwaltung sind die Schweizer mit einem verwalteten Vermögen von 164 Mrd. Schweizer Franken ein kleiner Fisch, verglichen mit den weltweit führenden Vermögensverwaltern wie der UBS Group mit 1 657 Mrd. Euro oder der Allianz Group mit 1 191 Mrd. Euro.

Trotzdem sehen sich die Schweizer laut Benelli beim ALM von Versicherern gegenüber solchen Wettbewerbern im Vorteil. Einerseits wegen der Swiss-Re-Erfahrung bei der Steuerung des Anlageprozesses im Hinblick auf künftige Zahlungsverpflichtungen, einem typischen Versicherungsgeschäft. Andererseits, weil Erstversicherer einem Rückversicherer eher Einblick in ihre Vermögensanlagestrategie gewährten als einem Erstversicherer. "Sie sehen in uns keinen Konkurrenten", sagt Benelli.

In jedem Fall profitierten Kunden von der Koordination ihrer Anlagen. "So können Finanzunternehmen solider und profitabler operieren", erklärt Benelli. Vorbild seien die USA, wo ALM bereits seit 15 Jahren betrieben werde. "Deutschland ist unser europäischer Pilotmarkt", so Benelli, der ein großes Wachstumpotenzial für diese Dienstleistung in Europa neben Deutschland auch in den Niederlanden und Großbritannien sieht.

Warum ALM? "Die Konkurrenzfähigkeit von Versicherern hängt zunehmend vom professionellen Anlagemanagement ab. Drastische Folgen kann es haben, wenn ein Versicherer seine Aktiven und Passiven nicht koordiniert," erklärt der Chefanleger der Swiss Re. "Solche Unternehmen fordern das Schicksal heraus."

Ein Blick ins Ausland zeigt mögliche Konsequenzen: Der japanische Lebensversicherer Nissan Mutual Life habe dies durch seinen Konkurs bezahlt, so Benelli. Das Unternehmen hatte individuelle Policen mit einer Garantieverzinsung von 5 % bis 5,5 % angeboten, ohne die Verbindlichkeiten abzusichern. Auf ein Rekordtief sinkende Renditen auf Staatsanleihen rissen ein Loch in die Kalkulation, von dem sich der Lebensversicherer nicht erholte.

Erste Abschlüsse beim ALM erwartet der Geschäftsführer der Swiss Re Asset Management KAG mbH, Hans-Dieter Bauernfeind, bereits in diesem Monat. "Die Verhandlungen mit den Versicherungen laufen", bestätigt Benelli, der in 2002 mit rund zwei Mrd. Euro verwalteten Anlagegeldern in diesem Geschäftsfeld rechnet. Bis 2004 plant die Swiss Re eine Vervierfachung auf acht Mrd. Euro.

Die GeneralCologne Re Capital managt bereits für sieben Versicherungen quer durch die Sparten Kranken, Leben und Sach Anlagen in Höhe von fünf Mrd. Euro. "Wir erwarten ein nachhaltiges zweistelliges Wachstum", sagt Geschäftsführer Kranz dem Handelsblatt. Als interessante europäische Wachstumsmärkte hat er Italien, Spanien und Frankreich im Blick.

Die Euphorie der Rückversicherer teilt Ingo Wagner nicht. Zwar bewertet der Finanzexperte der Unternehmensberatung AT Kearney den Ansatz als richtig. "Schließlich haben einige Versicherer schlechte Resultate bei ihrer Kapitalanlagestrategie erzielt." Fraglich sei aber, ob sich tatsächlich viele Versicherer künftig von ihrer Vermögensanlage trennen würden. "Die Hemmschwelle ist groß, weil sie die Vermögensverwaltung zu ihrem Kerngeschäft zählen."

Die Swiss Re will ihr neues Geschäftsfeld auch durch den Zukauf von Vermögensverwaltern stärken, zumal die Überbewertung dieser Anbieter mittlerweile der Vergangenheit angehöre. "Es gibt immer mehr Firmen, die bereit sind, Teile zu verkaufen", sagt Benelli, der auch einen Einstieg in die Vermögensverwaltung von weiteren institutionellen Kundensegmenten nicht ausschließt: "Wir sagen nicht nein."

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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