Unsicherheit dominiert in Europa und in den USA
Automobiltitel machen derzeit keine große Freude

Bei Auto-Aktien wächst die Unsicherheit: Vor allem weil der europäische Markt nicht anspringt, wachsen die Sorgen in der Branche. Der Rückgang auf dem US-Markt scheint vorerst gestoppt, doch eine nachlassende Gesamtkonjunktur könnte dort im zweiten Quartal für neue Aufregung sorgen.

HB DÜSSELDORF. In Banken- und Analystenkreisen ist überall die gleiche Einschätzung zu hören: "Der europäische Autoabsatz verläuft in diesem Jahr bislang enttäuschend", sagt stellvertretend Jürgen Pieper, Automobilanalyst beim Bankhaus Metzler. Besonders weil die Verkaufszahlen in Deutschland nicht zulegen, nimmt die Zurückhaltung an den Finanzmärkten zu. Eine dauerhafte Abschwächung der US-Konjunktur könnte für weitere Unsicherheit sorgen.

Jürgen Pieper hat den gesamten Automobilsektor deshalb von "Übergewichten" auf "leichtes Untergewichten" heruntergesetzt. Ähnlich fällt die Einschätzung bei der Deutschen Bank aus, wo die Fahrzeugbranche ebenfalls schwächer als der gesamte Aktienmarkt beurteilt wird. Das kurze Zwischenhoch, das die Automobiltitel seit Jahresbeginn eingelegt hatten, ist schon wieder verschwunden.

"Die Bewertung der Autotitel hat in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt nachgelassen", fasst Erik Burgold die jüngste Entwicklung zusammen. Investoren hätten damit auf die schlechten europäischen Zulassungszahlen reagiert. Im Januar und Februar hätten institutionelle Investoren noch von Telekom - in Autowerte umgeschichtet, hebt Arndt Ellinghorst von der WestLB hervor. Sie hätten sich jetzt wieder aus der Fahrzeugbranche zurückgezogen - um frühzeitig Gewinne mitzunehmen.

Vor diesem Hintergrund wird die Investition in einen Automobiltitel risikoträchtiger. Für die Analysten gibt es derzeit nur einen Autotitel, bei dem das Risiko verhältnismäßig klein ist: Porsche. "Der Bestelleingang ist immer noch gut bis sehr gut", glaubt Jürgen Pieper. Als Anbieter luxuriöser Sportwagen nehme das Stuttgarter Unternehmen eine Sonderstellung ein - und sei deshalb bei weitem nicht so konjunkturanfällig wie andere Hersteller.

Allerdings gibt es bei Porsche zumindest ein Problem: den US-Markt. Kommt es zu einer dauerhaften und abrupten Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft, könnte auch der Sportwagenhersteller in einen Abschwung hineingezogen werden. Erste Abschläge auf sein Kursniveau hat Porsche bereits hinnehmen müssen.

Unter den Analysten herrscht weiter Unsicherheit über die Entwicklung im Daimler-Konzern und dessen angeschlagener US-Sparte Chrysler. Arndt Ellinghorst warnt vor der Einschätzung, bei Chrysler sei das Schlimmste bereits vorüber. Er rät bei Daimler-Chrysler zum Abwarten. In den nächsten Wochen könnte es auch wieder schlechte Nachrichtengeben.

Fiat kommt unter den europäischen Autotiteln derzeit am schlechtesten weg. Die Ertragslage beim italienischen Hersteller ist mehr als dürftig, das Unternehmen hat wenige gewinnträchtige Ober- und Luxusklassen-Fahrzeuge im Angebot. Ein dauerhafte Besserung wird es wahrscheinlich erst dann geben, wenn die im vergangenen Jahr gestartete Zusammenarbeit mit General Motors richtig greift.

Besser sieht es bei den französischen Titeln aus. Besonders Peugeot hat in diesem Jahr noch einige neue Modelle im Programm, mit dem das Unternehmen der schleppenden Entwicklung auf dem europäischen Markt trotzen könnte. Bei Renault kommen neue Modelle erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt.

Nicht alle Banken glauben, dass BMW mit seiner Konzentration auf die Luxusklasse wenige Probleme ins Haus stehen - und damit Porsche vergleichbar wäre. Pieper hält den Wert für überbewertet und rät zum Verkauf. VW findet gleichfalls nicht überall Befürworter. Die starke Abhängigkeit vom deutschen Markt könnte in diesem Jahr für Probleme sorgen.

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