Unsicherheit in der Fußballbranche
Sinkende Fernsehgelder belasten Fußballwerte

Die Talfahrt von Fußballaktien hat sich nach der Kirch-Pleite beschleunigt. Sportlicher Erfolg führt nicht mehr zu steigenden Kursen. Denn die sinkenden Fernsehgelder belasten die Finanzen.

FRANKFURT/M. In ganz Europa haben Fußballaktionäre viel Geld verloren. Selbst Aktien nationaler Meister stürzten zuletzt ab. Denn erstmals bringt die wichtige Einnahmequelle Fernsehrechte weniger Geld. Der Profifußball ist in einer brenzligen Situation: In Italien etwa bangen Lazio und AS Rom um die Lizenz. Die Branche ist geschockt, die Aktien auf Allzeittief, ihre Entwicklung kaum zu prognostizieren.

"Zwischen den Spielzeiten tut sich normal wenig", sagt Marianne Güth, Analystin bei WestLB Panmure. Nicht so diesmal: Kirchs Eigentor ließ die Fußballaktien purzeln. Aufwärts ging es mit den Titeln gewöhnlich im August, sobald der Ball wieder rollte in Europas Stadien. Diese Saison dürften sich die Kurse aber nicht in die Höhe schrauben, selbst wenn die Clubs einen guten Start hinlegen.

Denn Fußballwerte haben sich vom sportlichen Erfolg abgelöst: Trotz Titel und lukrativem Champions-League-Platz verlor die Aktie von Juventus Turin (im Aufsichtsrat sitzt der Sohn des libyschen Revolutionsführers Gaddafi) seit dem Börsengang im Dezember vorigen Jahres 44 %, Borussia Dortmund seit August 56 %. Das Papier des schottischen Meisters Celtic hat 58 % eingebüßt, Portugals Meister Sporting Lissabon verlor von April bis Juni 64 %.

Seit Josef Ackermann Chef der Deutschen Bank ist, verkauft das Institut seine Dortmund-Aktien. "Auch das drückt den Kurs", sagt Güth. "Überall herrscht Unsicherheit. Nach der Kirch-Pleite wissen die Vereine nicht, wie viel Geld sie künftig aus Fernsehverträgen bekommen. Sicher ist nur: Es wird weniger." Die deutschen Profivereine erhalten bereits bis zu 20 % weniger TV-Gelder, die oft einen Großteil der Einkünfte ausmachen. Europaweit sparen die Sender. Verständlich: Der Preis für die Fernsehrechte an der englischen Premier League etwa explodierte in zehn Jahren von 30 Mill. auf 1,1 Mrd. Pfund.

Spirale nach unten

Die Spirale wird nun zurück gedreht. Italiens öffentlich-rechtlicher Sender RAI etwa zahlt statt bislang 88 Mill. pro Saison bis 2005 nur noch 44 Mill. . Jüngste Opfer der Krise: Die verschuldeten AS und Lazio Rom stehen vorerst ohne Lizenz da, der Premier League-Absteiger Leicester City steht vor dem Aus, da ein Fernsehvertrag geplatzt ist. Sogar die spanischen Clubs müssen sparen: Real Madrid, das sich vor nicht allzu langer Zeit mit Luis Figo und Zinedine Zidane die teuersten Transfers aller Zeiten leistete, verpflichtete bisher keinen einzigen neuen Kicker. Der FC Barcelona schasste gar seinen brasilianischen Weltmeister - Rivaldo (Jahressalär 12 Mill. ) kann ablösefrei gehen.

Die Fußballwerte sind trotz der Sparmaßnahmen am Boden: Der Bloomberg European Football-Index, schneidet mit 56 % Minus seit Ende 2000 schwächer ab als der Euro Stoxx 50 (-46 %). Nur zwei der 38 börsennotierten Fußballclubs Europas stehen über Ausgabekurs: Manchester United und Tottenham Hotspur - beide seit mehr als zehn Jahren an der Börse. Auch Branchenführer ManU fiel vom Höchststand um 73 %, Tottenham um 80 %. Auf Jahressicht sind ganze zwei Werte im Plus: Englands Aufsteiger West Bromwich (+13,8 %) und Portugals Meister Sporting Lissabon (+0,9%).

Laut Ingo Süßmilch, Fußballaktien-Experte der WGZ-Bank, sind Fußballaktien normalerweise einfach zu bewerten: "Die Basiseinnahmen aus nationalen TV-Rechten, Werbung, Ticketing und Marketing sind klar. Einzige Stellgröße: Spielt das Fußballunternehmen kommende Saison in einem europäischen Wettbewerb?" Doch zu dieser Frage hat sich ein gewichtiges Problem gesellt: Das künftige Fernsehgeld.

Güth rät daher momentan von Fußballaktien ab: "Der sportliche Erfolg beeinflusst sicher langfristig den Kursverlauf." Die Unsicherheit über die Fernseheinnahmen mache die mittelfristige Kursentwicklung heute aber ungewisser denn je - so ungewiss eben wie die finanzielle Zukunft der gesamten Branche.

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