Unsicherheit
Märkte unentschlossen nach US-Wahl

Der Euro sackte nach dem zunächst prognostizierten Wahlsieg des Republikaners George W. Bush zunächst auf ein Wochentief ab.

Reuters FRANKFURT. Die Finanzmärkte haben am Mittwoch verunsichert auf den wieder offen gewordenen Ausgang der US-Präsidentenwahl reagiert. Der Euro sackte nach dem zunächst prognostizierten Wahlsieg des Republikaners George W. Bush zunächst auf ein Wochentief ab. Als das Rennen um die US-Präsidentschaft wegen des knappen Wahlausgangs im Bundesstaat Florida wieder offen wurde, machte der Euro bis zum Nachmittag geringfügig Boden gut. Die europäischen Börsen gaben ihre anfänglichen Gewinne ab und folgten damit auch der etwas schwächeren Tendenz an den US-Märkten. An der New Yorker Börse tendierte der Dow-Jones-Index zunächst fast unverändert, während die Technologie-Börse Nasdaq nachgab. Das Ergebnis der Neuauszählung der Stimmen in Florida wird möglicherweise für den späten Donnerstagabend (MEZ) erwartet.

Von Bush versprechen sich die Finanzmärkte deutliche Steuersenkungen und eine unternehmerfreundliche Politik, was als positives Signal für die Aktienmärkte und den Dollar gewertet wird. Bush hatte nach Hochrechnungen zunächst als Wahlsieger gegolten, jedoch war der Sieg über den Kandidaten der Demokraten, den bisherigen Vizepräsidenten Al Gore, nach weiteren Auszählungen in Florida wieder ungewiss geworden. Insgesamt errang Gore bis Mittwoch zunächst 260 und Bush 246 Stimmen in dem Wahlkollegium, dessen 538 Mitglieder den Präsidenten wählen. Neben Florida fehlte nur noch das Ergebnis aus dem Bundesstaat Oregon, der sieben Wahlmänner stellt. Die 25 Stimmen Floridas entscheiden jedoch, ob Bush oder Gore die absolute Mehrheit von 270 Stimmen erhält.

"Das ist noch kein ausgemachter Sieg für Bush", sagte ein Händler, der von einer verunsicherten Stimmung an den Märkten sprach. Sollte Bush die Wahl dennoch gewonnen haben, sehen Volkswirte die Aussichten für Kurssteigerungen des Euro eher negativ. Nach Einschätzung von Patrick Franke von der Commerzbank hätte ein Sieg Bushs zwei dämpfende Effekte auf den Euro-Kurs. Kurzfristig sei eine Teilnahme der USA an weiteren Interventionen der EZB zu Gunsten des Euro eher unwahrscheinlich. "Wegen der von Bush angekündigten Steuersenkungen gehe ich davon aus, dass sich die Wachstumsaussichten in den USA verbessern werden, was den Eurokurs weiter dämpfen wird", ergänzte Franke.

Lothar Hessler von HSBC Trinkaus beurteilt die Aussichten für den Euro bei einem Wahlsieg Bushs ebenfalls negativer. "Das wird jetzt schwieriger für den Euro. Vor allem wegen der geplanten Steuersenkungen von Bush, die eher die US-Aktienmärkte und weniger die Rentenmärkte begünstigen dürften", sagte er. Bei einem Wahlsieg Gores dagegen dürften die US-Aktienmärkte weniger stark anziehen. Dann könnten sich die Kapitalströme eher in Richtung Euro-Zone richten, wovon der Euro profitieren würde. "Ob das aber für eine Trendwende (für den Euro) reicht, ist ungewiss", sagte Hessler.

Nachdem der Ausgang der Wahl am Vormittag wieder ungewiss erschien, legte die Gemeinschaftswährung wieder auf knapp 0,86 $ zu, gab dann aber in einem nervösen und umsatzarmen Handel wieder fast bis auf das zuvor erreichte Wochentief von 0,8538 $ nach. Die Unsicherheit über den endgültigen Wahlausgang begrenzten jedoch die Euro-Verluste, sagten Händler. Das Marktumfeld sei zudem günstig für weitere Stützungskäufe durch die EZB, wie sie die Notenbank schon am Montag und am vergangenen Freitag vorgenommen hatte. In der Nacht (MEZ) war der Euro nach dem anfänglichen Vorsprung Gores in Tokio noch bei fast 0,87 $ gehandelt worden. Am frühen Abend notierte die Währung bei 0,8660 $.

Die US-Märkte tendierten in den ersten Handelsstunden uneinheitlich. Während der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte gegen 17.00 Uhr MEZ 0,2 % im Plus lag, notierte die Nasdaq knapp drei Prozent leichter. Die Börsen in Europa gaben ihre zunächst erzielten Kursgewinne wieder ab. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen wegen der unklaren Situation bei den US-Wahlen. Insgesamt sei das Geschäft jedoch bei geringen Umsätzen ruhig verlaufen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag 17.00 Uhr MEZ mit rund 0,7 % im Minus bei 7025 Punkten, nachdem das Börsenbarometer am Vormittag um mehr als ein halbes Prozent im Plus gelegen hatte.

Der Euro-Bund-Future notierte nachmittags drei Ticks leichter bei 105,21 Punkten. Die richtungweisende 30-jährige US-Staatsanleihe notierte bei 104-31/32 Punkten um 1/32 im Plus. Nach Angaben von Bondanalysten ist für die Kreditmärkte entscheidend, wie der Wahlsieger mit den Haushaltsüberschüssen umgehen wird. Zuletzt hatte die US-Regierung die Mittel vielfach dazu verwendet, die Emission neuer Staatsanleihen zurückzufahren und damit die Verschuldung abzubauen. Von Gore hatten sich die Märkte eine Fortsetzung dieses Trends versprochen. Von dem Republikaner Bush wird dagegen erwartet, dass er mit einem Teil der Überschüsse Steuersenkungen finanzieren und so den Schuldenabbau abbremsen wird. Ein Sieg des Texaners könnte daher nach Einschätzung von Analysten die US-Kreditmärkte und die europäischen Rentenwerte belasten.

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