Unsicherheit nach Kirch-Insolvenz
Pro Sieben Sat1 droht Verlust von Werbekunden

Zwar hat sich die Aufregung um finanzielle Auswirkungen der Insolvenz von Kirch-Media auf die Kirch-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG etwas gelegt. Nun aber könnten Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 Werbekunden verlieren, weil ein Großteil ihrer Programmgestaltung für das nächste Jahr unklar ist.

"Für 2003 und 2004 ist unsere Programmversorgung zu knapp 60 Prozent gesichert", sagt Unternehmenssprecher Torsten Rossmann. Werbekunden ist das nicht genug. Sie werden deshalb demnächst mit Argusaugen darauf achten, welche Programmstrategie für die restlichen 40 % die Sender im nächsten Jahr verfolgen. Auf der Telemesse, die von den beiden großen Werbevermarktern IP Deutschland (RTL Group) und Seven One Media (Pro Sieben Sat 1 Media AG) im August dieses Jahres veranstaltet wird, legen Sender und Werbekunden den Grundstock für Werbebuchungen des folgenden Jahres.

"Wenn in den nächsten Monaten die wichtigsten Rechtefragen geklärt werden, gibt es keine Auswirkungen auf Werbebuchungen unserer Kunden", glaubt David Linn, Geschäftsführer der Mediaagentur HMS & Carat, dem zweitgrößten Vermittler von Werbezeiten auf dem hiesigen Markt. Große Fragezeichen gebe es aber bei Sportübertragungsrechten wie der Fußball-Bundesliga. Fußball ist einer der größten Werbeumsatzträger auf dem TV-Markt, weil damit zahlungskräftige, junge, männliche Zuschauer erreicht werden. Bislang waren die Bundesliga-Rechte beim inzwischen insolventen Rechte-Inhaber Kirch Media gebündelt, Sat 1 hatte für die Sendung "ran" die Übertragungsrechte erworben. "Wir haben auf jeden Fall Interesse an weiteren Fußballrechten", so Rossmann.

Auch bei den Filmrechten ist unklar, wer die offenen Programmteile bei der Pro Sieben Sat 1 Media füllen wird. "Gut 40 Prozent der Sendelizenzen haben wir von Kirch Media bekommen", erläutert Rossmann. Aber es gebe noch 120 andere Adressen auf der Programm-Lieferantenliste. Trotz Insolvenz sei es wohl ein klares Ziel der Verwalter, das Kerngeschäft der Kirch Media zu erhalten und damit den Rechtehandel weiter zu betreiben.

Analysten stimmt es zuversichtlich, dass nun Kirch Media nicht mehr der Hauptlieferant der Fernsehtochter sein könnte. Kirch Media hält 52 % der Anteile an dem börsennotierten Unternehmen. "Die Versuchung war sicherlich da, von Pro Sieben Sat 1 mehr für die Filmrechte zu nehmen als auf dem Markt üblich", sagt Isabel Geigenberger, Medienanalystin der DZ-Bank. Nun könnten Filmrechte-Inhaber wie Highlight auch direkt mit dem Fernsehkonzern Lizenz-Verträge aushandeln.

Stefan Weiss, Medienexperte der WestLB-Panmure, schätzt, dass Pro Sieben Sat 1 Media im ersten Quartal gegenüber der Konkurrenz ein gutes Bild abgeben könnte und den Markt nicht enttäuschen dürfte. Im März hatten die Bruttowerbeumsätze der Münchner diejenigen der RTL Group (RTL, Vox, Super RTL) sogar übertroffen. Alle Privatsender haben im ersten Quartal 2002 aber Werbeeinbußen zwischen 2 % und 8 % gegenüber dem Vorjahrsquartal verbuchen müssen.

Von Petra Schäfer, Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%