Unsicherheit über Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen hemmt die Kurse an der Wall Street
Investoren fürchten Kerry-Wahlsieg

Schon seit Monaten beeinflusst das Rätselraten um den Sieger der US-Präsidentschaftswahlen am 4. November die Aktienmärkte. Gebannt verfolgen die Investoren die Entwicklung der Umfrageergebnisse - mehrheitlich in der Hoffnung, dass diese zu Gunsten von Amtsinhaber George W. Bush ausschlagen: "Wenn die Chancen einer Wiederwahl von George Bush steigen, klettern auch die Kurse", hat Thomas Gallagher, Analyst beim Researchhaus International Strategy & Investment Group (ISI), festgestellt.

HB NEW YORK. Umgekehrt fallen die Börsen, sobald sich die Siegesaussichten des Herausforderers John Kerry verbessern, erläuterte Gallagher am Dienstag bei einem Expertengespräch des New Yorker Analystenverbandes NYSSA.

Kein Zweifel: Je näher der Wahltermin rückt und je unsicherer das Ergebnis erscheint, desto stärker rückt die Politik an der Wall Street in den Fokus. "Das knappe Rennen zwischen Bush und Kerry ist ein Grund dafür, dass die Börse derzeit kaum vom Fleck kommt", sagt Ted Weisberg, Chef des New Yorker Börsenhändlers Seaport Securities. Seit Anfang des Jahres pendelt der Leitindex an der Wall Street, der S&P 500, in einer engen Spanne um 1 100 Punkte. "Investoren mögen keine Unsicherheit", erklärt Weisberg.

Noch weniger mögen Aktionäre die Aussicht auf einen Wahlsieg von John Kerry. Vor allem reiche Investoren wünschen sich eine weitere Amtszeit von Bush, da dieser beim wichtigen Thema Dividendenbesteuerung auf ihrer Seite ist. "Eine Wiederwahl Bushs garantiert, dass seine Steuersenkungen nicht rückgängig gemacht werden", bestätigte Richard Clarida vor den New Yorker Analysten. Clarida lehrt an der Columbia-Universität und diente unter Bush zeitweise als stellvertretender US-Finanzminister. Dagegen verdeutlichte Jason Furman, im Wahlkampfteam von John Kerry zuständig für Wirtschaftspolitik, dass Haushalte, die mehr als 200 000 Dollar im Jahr verdienen, im Falle eines Wahlsieges der Demokraten künftig wieder Steuern auf Aktiendividenden zahlen müssen.

Der Kerry-Berater nutzte den Abend bei der NYSSA, um für seinen Chef zu werben: "Kerry wird als Präsident das Haushaltsdefizit und das Außenhandelsdefizit senken und damit langfristig die US-Wirtschaft stärken", sagte Furman. Allerdings heben sich die Demokraten mit dieser Position kaum von den Aussagen aus dem konservativen Lager ab. Sowohl Bush-Berater Clarida als auch Kerry-Berater Furman wollen das Loch im Staatshaushalt in den nächsten vier Jahren halbieren. Bezüglich des Handelsdefizits forderte Demokrat Furman, dass China seine Währung gegenüber dem US-Dollar aufwerten solle, was chinesische Exporte in die USA verteuern würde. Mit der gleichen Forderung ist der konservative Finanzminister John Snow mehrfach bei den Chinesen abgeblitzt.

Seite 1:

Investoren fürchten Kerry-Wahlsieg

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%