Unsicherheit über US-Konjunktur belastet
Talfahrt an den europäischen Börsen setzt sich fort

Die Talfahrt an den europäischen Börsen hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Händler erklärten die Einbrüche mit weiterer Unsicherheit über die Entwicklung der US-Konjunktur. Abschläge verzeichnete der europäische Versicherungssektor nach schlechter als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen und einem düsteren Ausblick der Zürich Versicherungsgruppe.

rtr FRANKFURT. Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz notierte gegen Mittag mit 3,02 % im Minus bei 3779 Punkten, während der Euro-Stoxx-50-Index für die Standardwerte aus der Europäischen Währungsunion (EWU) 2,98 % einbüßte auf 3 945 Zähler.

Zeitgleich deuteten die wichtigsten Trendbarometer, der S&P 500-Future und der Nasdaq-Future, die 12 beziehungsweise 15 Punkte im Minus lagen, auf eine schwächere Eröffnung an den US-Handelsplätzen hin. Die New Yorker Aktienmärkte hatten am Mittwoch schwächer geschlossen. Händlern zufolge waren insbesondere Standardwerte infolge der vom US-Arbeitsministerium bekannt gegebenen Verbraucherpreise für den Vormonat unter Druck geraten. Auch negative Unternehmensmeldungen hätten den Markt belastet. Der Dow-Jones-Index hatte 2,4 % tiefer bei 9487 Zählern geschlossen, dem tiefsten Stand seit Anfang März 1999. Der Nasdaq-Index war 1,46 % schwächer bei 1830 Zählern aus dem Handel gegangen.

Londoner Börse markiert Tiefstand

Die Londoner Börse setzte am Vormittag die Verlustreihe der letzten beiden Tage fort und fiel auf ein 27-Monats-Tief. Gegen Mittag notierte der FTSE 100-Index 2,4 % schwächer bei 5408 Punkten. "Der Markt ist zurzeit in einer Stimmung, in der das Glas immer halbleer statt halbvoll ist", sagte ein Händler. Die Aktien des Automatisierungskonzerns Invensys verloren 11,3 % auf 114,3 Pence nach einer zweiten Gewinnwarnung des Unternehmens innerhalb von sechs Monaten. Unter Druck geriet auch wieder der Telekomsektor mit British Telecom und Telekomausrüster Marconi, deren Aktien jeweils rund fünf Prozent im Minus tendierten.

Zurich Finanzgruppe belastet Aktienmarkt in Zürich

Die Schweizer Börse verzeichnete am Vormittag deutliche Verluste. Der SMI-Index notierte 3,56 % schwächer bei 6 716 Zählern. Die negativen Vorgaben und der enttäuschende Bericht von Zurich Financial Services hätten auch noch den letzten Käufer aus dem Markt vertrieben, sagten Händler. "Der Crash in Raten geht weiter und keiner weiß, wann die letzte Rate beglichen wird", sagte ein Händler. Zurich hatte einen 29-prozentigen Gewinnrückgang für 2000 verkündet und damit bereits revidierte Analystenerwartungen enttäuscht. Der Kurs brach um 15,4 % ein auf 582 sfr.

Telekomwerte belasten die Börse in Paris


Der Pariser Aktienmarkt war geprägt von Verlusten im Telekom - und Versicherungssektor. Der CAC 40-Index notierte 2,39 Prozent schwächer bei 4903 Zählern. France Telecom büßten nach der Vorlage von Geschäftszahlen knapp ein % ein auf 57,55 Euro. "Die Zahlen haben wir grundsätzlich so erwartet", sagte ein Händler. Allerdings belaste der hohe Schuldenberg. Die Aktien der Mobilfunktochter Orange fielen ebenfalls nach Veröffentlichung von Geschäftszahlen 2,4 Prozent auf 8,60 Euro. Die Titel der Versicherungsgruppe Axa fielen 7,08 % auf 114,2 Euro.

Versorger können in Mailand zulegen

Die italienische Börse präsentierte sich schwach, gezogen von Technologie- und Versicherungstiteln. Der Mib 30-Index verlor 1,7 % auf 36.801 Punkte. Vor allem die Versicherungsbranche geriet nach den schlechten Zahlen der Schweizer Zurich Finanzgruppe unter Druck. Alleanza und Ras verloren 3,8 beziehungsweise 2,9 %. Zulegen um 1,4 % auf 9,61 Euro konnten die Papiere des Energieversorgers Edison nach einer positiven Umsatzprognose für 2001. Die Titel des Wettbewerbers Enel verzeichneten geringfügige Gewinne von 0,3 Prozent.

Zwei-Jahres-Tief am Aktienmarkt in Spanien

Die Börse in Madrid verzeichnete hohe Verluste bei den wichtigsten Standardwerten. Der IBEX 35-Index fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Gegen Mittag notierte der Blue-Chip-Index 1,84 % schwächer bei 8739 Punkten. Experten zufolge zogen Befürchtungen über die wirtschaftliche Situation in Argentinien die Werte nach unten. So seien Firmen, die stark in Argentinien investierten, deutlich unter Druck geraten. Banco Bilbao Vizcaya Argentaria verloren 2,5 Prozent, Banco Santander Central Hispano gaben 2,03 Prozent ab, und Telefonica fielen 2,5 %.

Amsterdamer Börse notiert auf breiter Front leichter

Die niederländischen Aktienwerte notierten deutlich schwächer. Der AEX-Index lag gegen Mittag 3,4 % im Minus bei 523 Zählern. Die Verlierer-Riege wurde angeführt von Kabelbetreiber UPC mit einem Verlust von 9,5 %. Nach einem Entscheid der Regulierungsbehörde könnte UPC gezwungen werden, sein Netzwerk konkurrierenden Internet-Portalen zugänglich zu machen. Die Titel der Finanzgruppe Fortis büßten 5,1 % auf 26 Euro ein, nachdem das Unternehmen Ergebnisse am unteren Ende der Markterwartungen vorgelegt hatte.

Panikverkäufe in Wien

Die österreichischen Aktienwerte präsentierten sich schwach mit einem Verlust beim ATX-Index von 1,7 % auf 1131 Zähler. Marktteilnehmer sprachen von Panikverkäufen und irrationalen Handlungen. "Wenn es in Amerika zur Eröffnung nicht irgendein Wunder gibt, können wir uns nur festhalten", sagte ein Händler. Hohe Verluste verzeichneten VA Technologie nach der Vorlagen von Geschäftszahlen. Der Kurs gab 2,4 % ab auf 31,24 Euro. Auch Erste Bank mussten nach der Präsentation vorläufiger Ergebnisse knapp ein % auf 57,19 Euro abgeben. "Die Zahlen waren okay, aber in so einem Umfeld kann man nicht punkten", sagte ein Händler.

Auch in Brüssel schwache Kurse

Die Aktienwerte der Börse in Brüssel setzten am Vormittag ihre Talfahrt fort. Der Bel 20-Index fiel zeitweise auf ein Jahrestief bei 2598 Punkten. Bis zum Mittag erholte er sich auf 2612 Zähler mit einem Minus von 2,6 %. Händler erklärten die Talfahrt des Aktienmarktes mit dem ungünstigen Umfeld. "Der Markt wird wieder einmal von den anderen Märkten mitgezogen", sagte ein Händler. Die Papiere des Brauerei-Unternehmens Interbrew gaben 2,7 % auf 27,49 Euro ab. Fortis verloren 3,8 %, KBC Bank büßten 3,8 % auf 26,12 Euro ein.

Käuferstreik in Stockholm

Die Stockholmer Börse verzeichnete wieder hohe Verluste. Der OMX-Index notierte bis zum Mittag 3,25 % schwächer bei 826 Punkten, dem niedrigsten Stand seit Oktober 1999. "Es ist überall in Europa dasselbe, da ist Stockholm keine Ausnahme", sagte ein Händler. "Da sind ein paar Verkäufer und keine Käufer. Solange die Nasdaq weiter fällt, werden auch wir weiter abgeben, so einfach ist das." Weitere Verluste verzeichnete das Mobilfunkunternehmen Ericsson, die Aktien tendierten mit 5,2 % im Minus bei 55,50 skr. Händler sagten, die Vorstellung neuer Produkte auf der CeBIT in Hannover wirke sich in diesem Jahr zum ersten Mal nicht positiv auf den Aktienkurs aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%