Unsicherheit wegen eigener Partei
Nordirland: Trimble will wieder regieren

Der nordirische Protestantenführer David Trimble kann wieder Chef der Regionalregierung der britischen Unruheprovinz werden - sofern er ausreichend Unterstützung von den Abgeordneten der eigenen Partei bekommt.

dpa BELFAST/LONDON. Der erweiterte, 110 Mitglieder umfassende Vorstand der Ulster Unionist Party (UUP) stimmte am Wochenende in Belfast einer Resolution zu, in der die 28 UUP-Abgeordneten des Regionalparlamentes aufgefordert werden, Trimbles Wahl zu unterstützen. "Die Mehrheiten sind knapp", sagte Trimble anschließend unter Bezug auf die eigene Partei.

Friedensnobelpreisträger Trimble war am 1. Juli vom Posten des Regierungschefs zurückgetreten, um damit gegen das Ausbleiben der Entwaffnung der katholisch-republikanischen Untergrundorganisation IRA zu protestieren. Er will nun zurückkehren, nachdem die IRA erstmals Waffen abgegeben hat. Bei der für Freitag angesetzten Abstimmung im Regionalparlament in Belfast muss er von jeweils mindestens 50 % der Abgeordneten der protestanischen und der katholisch-nationalistischen Gruppe gewählt werden.

"Falken" der Protestanten haben jedoch Zweifel daran aufkommen lassen, ob Trimble die Mehrheit in den eigenen Reihen bekommt. Diese Hardliner sind unzufrieden darüber, dass der Vorsitzende der internationalen Abrüstungskommission, der kanadische General John de Chastelain, keinerlei Details über Art und Umfang der IRA-Abrüstung veröffentlicht hat. "Wir brauchen Klarheit über die künftigen Absichten der IRA", sagte der Regional-Abgeordnete Peter Weir, einer der protestantischen Abweichler von der am Wochenende beschlossenen Linie. "Wir wollen wissen, ob es sich bei der Unbrauchbarmachung von Waffen möglicherweise nur um eine einmalige Geste handelt."

Der frühere US-Senator George Mitchell, der als Vermittler eine wesentliche Rolle im nordirischen Friedensprozess gespielt hat, forderte am Sonntag die Protestanten auf, Trimble zu unterstützen: "Ich hoffe, dass sie einsehen, dass Trimble die ganze Zeit lang Recht hatte", sagte Mitchell im britischen Rundfunk BBC.

Bei gewalttätigen Demonstrationen radikaler Protestanten ist ein 18 Jahre alter britischer Soldat lebensgefährlich verletzt worden. Der Soldat, der in der Nacht zum Samstag bei einer Straßenschlacht in Belfast eingesetzt worden war, wurde im Bauch verletzt und befand sich nach Armeeangaben am Sonntag noch in kritischem Zustand. Die Polizei verhörte eine 32 Jahre alte Frau im Zusammenhang mit dem Vorfall. Den Polizeiangaben zufolge hatten Demonstranten, die der pro-britischen Ulster Defence Association nahe stehen, die Soldaten mit Benzinbomben und Steinen beworfen.

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