Unter 0,87 Dollar: Euro auf Sechs-Monats-Tief

Unter 0,87 Dollar
Euro auf Sechs-Monats-Tief

Der Euro ist am Freitag zum Dollar angesichts wachsender Hoffnungen auf eine baldige Erholung der US-Konjunktur auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr gefallen.

Reuters FRANKFURT/M. Die Gemeinschaftswährung verlor bis zum Mittag mehr als einen Cent auf Kurse um 0,8655 Dollar. US-Notenbankchef Alan Greenspan habe am Vortag mit seinem optimistischen Ausblick für die weltgrößte Volkswirtschaft viele Anleger dazu veranlasst, wieder in den Dollar-Raum zu investieren, sagten Händler. Zudem gebe es am Markt Sorgen, wegen der Euro-Bargeld-Einführung werde die Inflation in der Euro-Zone im Januar wieder steigen. Die Kursverluste des Euro seien zusätzlich beschleunigt worden, nachdem er die Unterstützung bei 0,8730 bis 0,8735 Dollar durchbrochen habe.

Im Referenzkursverfahren der Banken (EUROFX) wurde der Euro am Mittag mit 0,8657 Dollar rund einen US-Cent tiefer festgelegt als am Vortag. Nach Einschätzung von Devisenexperten wird der Euro seine Kursverluste in den nächsten Tagen weiter ausbauen. "Bei 0,8620 Dollar dürften wir aber zunächst einen Boden finden", sagte Antje Paefcke von der Helaba in Frankfurt. Greenspans Äußerungen hätten eine starke psychologische Wirkung am Markt erzielt. Der US-Notenbankchef hatte am Vortag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats von ersten Anzeichen einer allmählichen Erholung der US-Konjunktur gesprochen. Gegenwärtig befinde sich die Wirtschaft an einem Wendepunkt, hatte Greenspan betont. Vor zwei Wochen hatte er noch vor kurzfristig bedeutenden Risiken gewarnt. "Wir sehen nun eine weltweite Dollar-Stärke, weil der Ausblick für die USA besser ist als für die Euro-Zone", sagte Julian Jessop, Volkswirt bei Standard Chartered.

Mit Kursen um 0,8655 Dollar notierte der Euro am Freitag rund vier Cent unter seinem Niveau kurz nach der Einführung des Euro-Bargelds vor gut drei Wochen. "Die Euphorie des neuen Geldes ist erst einmal dahin", sagte ein Händler. Am Markt gibt es nun Paefcke zufolge die Befürchtung, die Europäische Zentralbank (EZB) werde zumindest im Februar die Leitzinsen unverändert lassen und damit nicht zu einer schnellen Konjunkturerholung in der Euro-Zone beitragen. EZB-Chef Wim Duisenberg hatte am Mittwoch das gegenwärtige Zinsniveau in der Euro-Zone von 3,25 % "bis auf weiteres" als angemessen bezeichnet.

Einige Händler sagten, am Markt seien zudem wieder Inflationssorgen im Zuge der Euro-Bargeld-Einführung entstanden. Die am Freitag veröffentlichten Januar-Inflationsdaten aus italienischen Städten zeigten einen deutlichen Anstieg der Preise im Monatsvergleich. EU-Währungskommissar Pedro Solbes sagte in Madrid, wegen teurer Nahrungsmittelpreise könne die Inflation in der Euro-Zone möglicherweise erst später als erwartet unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent sinken. Sollte die Teuerung aber unter dieser Marke bleiben, habe der Euro mittel- bis langfristig Aufwärtspotenzial. Im Dezember lag die Jahresteuerung bei 2,1 %. Die EZB rechnet im Verlauf dieses Jahres mit einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate unter zwei Prozent.

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