Unter 0,90 Dollar
Neue Konjunktursorgen drücken den Euro

Der Euro hat am Mittwoch wegen wieder aufkommender Sorgen des Marktes über die weitere Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone mehr als einen halben US-Cent eingebüßt. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel unter die Marke von 0,90 Dollar.

Reuters LONDON. Die überraschende Eintrübung des italienischen Geschäftsklimas und der pessimistische Ausblick des Münchener Ifo-Instituts habe Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturerholung gedämpft, sagten Händler. Auf die erneute geldpolitische Lockerung der Bank von Japan (BoJ) reagierte der Devisenmarkt dagegen kaum. Der Yen erholte sich zum Dollar etwas von seinem am Dienstag markierten Drei-Jahres-Tief. Die liquiditätssteigernden Maßnahmen der BoJ hätten nicht überrascht, begründeten Händler die verhaltene Marktreaktion.

Gegen 14.00 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8974/79 $ rund einen halben US-Cent niedriger als am Vorabend in New York. Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8959 nach 0,9015 $ am Vortag festgelegt. Der Dollar verteuerte sich damit auf 2,1831 von 2,1695 DM.

Die Kursverluste des Euro wurden Händlern zufolge dadurch verstärkt, dass die Währung bei 0,8980 $ eine wichtige Unterstützungsmarke durchbrach. Sie räumten aber ein, dass der Handel wenige Tage vor den Weihnachtsfeiertagen äußerst dünn sei. "Das führt zu übertriebenen Kursbewegungen", sagte ein Marktteilnehmer. Belastend für den Euro habe sich ausgewirkt, dass der vom italienischen Forschungsinstitut ISAE ermittelte Geschäftsklimaindex im November auf 83 von 86 Zähler gefallen ist. Zudem habe die am Vormittag vorgelegte Konjunkturprognose des Ifo-Instituts den Kurs gedrückt. Nach Einschätzung der Münchener Konjunkturforscher wird die deutsche Wirtschaft erst im zweiten Quartal 2002 wieder wachsen. Für das vierte Quartal dieses Jahres erwartet das Institut ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,25 % und für die ersten drei Monate 2002 eine Stagnation.

Yen kann sich kaum erholen

Der Yen erholte sich zum Dollar nach der BoJ-Entscheidung geringfügig. Die US-Währung notierte gegen 14.00 Uhr MEZ mit 127,75/78 Yen kaum verändert zum Vorabend, aber rund einen Yen leichter als bei seinem am Vortag markierten Drei-Jahres-Hoch. Der Euro kostete 114,57/60 Yen, nachdem er am Vortag zeitweise bis auf 116 Yen geklettert war. Die BoJ will dem Finanzsystem zur Unterstützung der rezessionsgeplagten Wirtschaft des Landes erhebliche Liquidität zuführen. So werden die Einlagen der Geschäftsbanken bei der BoJ kräftig erhöht, womit die Institute mehr Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung haben. Zudem wird der Rückkauf japanischer Staatsanleihen verstärkt. "Niemand glaubt am Markt, dass diese Maßnahmen ausreichen, um die Konjunkturwende zu erreichen", sagte Jeremy Hawkins von der Bank of America.

BoJ-Chef Masaru Hayami trat darüber hinaus jüngst aufgekommenen Spekulationen entgegen, die Notenbank wolle durch den Kauf ausländischer Staatsanleihen den Yen schwächen. Dieser Schritt sei derzeit nicht notwendig, sagte Hayami. "Dennoch erwartet der Markt weiter einen schwächeren Yen", sagte ein Händler.

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