Unter 83 US-Cents
Euro fällt auf Rekordtief

Die Einheitswährung hat ein neues Allzeittief erreicht, nachdem nicht mehr mit Notenbank-Interventionen zugunsten des Euro zu rechnen ist.

Reuters FRANKFURT. Nachlassende Spekulationen über neue Notenbank-Interventionen haben den Euro am Mittwoch auf ein neues Allzeittief gedrückt. Kurz vor der Fortsetzung des G-20-Treffens in Montreal am Mittwoch schwindet Händlern zufolge die Chance auf konkrete Äußerungen der Finanzminister und Notenbanker zum Euro immer mehr. Auch eine erneute Intervention der Zentralbanken zu Gunsten der Währung noch während des G-20-Treffens hielten Marktteilnehmer nun für unwahrscheinlich. Kursverluste des Euro gegenüber dem Yen und die Stärke des Dollar zum Schweizer Franken hätten den Euro zusätzlich belastet. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 0,8290 $. Ein Dollar kostete damit umgerechnet in der Spitze fast 2,36 DM.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Mittwoch mit 0,8305 nach 0,8353 $ am Dienstag festgestellt. Zum Yen wurde der Euro-Referenzkurs mit 89,74 (90,35) Yen notiert.

Nachdem sich am Dienstag in Montreal weder EZB-Chef Wim Duisenberg noch andere Teilnehmer zu einer Äußerung über den Euro oder mögliche Interventionen durchringen konnten, rechneten Marktteilnehmer auch am zweiten Tag des G-20-Treffens immer weniger mit konkreten Aussagen zu diesen Themen. Zudem hätten am Morgen massive Euro-Verkäufe eingesetzt, nachdem bekannt geworden war, dass eine niederländische Bank im Zusammenhang mit einer Fusion einen großen Betrag an Euro verkauft habe. "Interventionen stellen immer eine Gefahr dar, aber wenn eine Bank einen großen Verkaufsauftrag hat, heißt das, dass die Leute keine große Angst mehr davor haben", sagte ein Händler.

Experten warnten am Mittwoch jedoch erneut vor massiven Kursverlusten bis auf unter 80 US-Cents, sollten konkrete Äußerungen aus Montreal zum Euro ausbleiben. Die Tatsache, dass der Euro während des G-20-Treffens ein neues Allzeittief erreicht habe, weise auf die generelle Abwärtstendenz und die negative Grundstimmung der Märkte gegenüber der Währung hin.

Händler sagten, die Kursverluste des Euro gegenüber dem Dollar seien außerdem durch die Schwäche der Gemeinschaftswährung zum Yen verstärkt worden. Diese führten die Akteure auf Spekulationen über den möglichen Verkauf von Währungsreserven durch japanische Versicherungskonzerne zurück. Nach dem Konkurs der Versicherungsgruppe Chiyoda Mutual Life Insurance Co. Anfang des Monats hatte in der vergangenen Woche auch der elfgrößte Lebensversicherer Kyoei Life Insurance Co. Gläubigerschutz beantragt und sei eventuell gezwungen, seine in Euro gehaltenen Währungsreserven zu verkaufen. Zur japanischen Währung sackte der Euro auf Werte nahe seines Allzeittiefs bei 0,8950 Yen ab.

Auch die Stärke des Dollar zum Schweizer Franken habe den Euro geschwächt, sagten Händler. Der $ war am Dienstagvormittag gegen den Schweizer Franken auf ein 14-Jahres-Hoch von 1,81 sfr gestiegen.

Ohne merkliche Auswirkungen blieben dagegen Aussagen des hessischen Landeszentralbankpräsidenten Hans Reckers. In einem am Mittwoch veröffentlichten Magazin-Interview forderte Reckers die Finanzminister und die Europäische Zentralbank (EZB) dazu auf, den Euro nach außen besser darzustellen.

Auch die am Mittwochmorgen veröffentlichten deutschen Außenhandelspreise beeinflussten den Euro-Kurs nicht. Das Statistische Bundesamt hatte in Wiesbaden mitteilte, die Einfuhrpreise seien auf Grund der hohen Rohöl- und Energiepreise mit einer Jahresrate von 13,4 (August 11,9) Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren.

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