Unter allen Köstlichkeiten ist Wein ihre größte Passion
Die der Wein verführt

Christina Göbel geht in Reims bei der Trophée Ruinart "Bester Sommelier Europas" für Deutschland an den Start.

Es gibt zwei Arten, Weine zu beschreiben: erstens nach Gefühl und zweitens nach Lehrbuch. Christina Göbel beherrscht beides. Ihren Gästen macht die IHK-geprüfte Sommelière den Mund wässrig: "Das ist ein Wein, der so richtig ölig am Glasrand entlangläuft, weil er körperreich und ausdrucksstark ist." In einem Wettbewerb würde sie den Tropfen analytisch-pragmatisch charakterisieren: "Auf Grund der Schlierenbildung schließe ich auf einen kräftigen Extrakt."

Die professionelle Verkostung, so die zierliche Frau mit dem schmalen, aparten Gesicht, ist "Handwerk und nicht Hexenwerk". Eine Technik, die man lernen kann und trainieren muss. Als Jugendliche hat Göbel eher Eierlikör mit Muttern "geschlotzt" oder Asti mit Freunden gesüffelt. Schließlich fängt niemand mit Mouton Rothschild an. Sie sei "geradezu genusssüchtig". Die 26-Jährige lehnt sich entspannt in ihrem Sessel zurück. Das müsse nicht Luxus bedeuten: Wenn der "harmoniebedürftige Familienmensch" ins hessische Bad Camberg fährt, freut er sich auf Mamas Markklöschensuppe mit Perlgraupen.

Unter allen Köstlichkeiten ist Wein ihre größte Passion. Die junge Frau liebt "facettenreiche Tropfen, die nicht satt machen, sondern Lust auf mehr". Eine Schwäche hat sie für Riesling und Burgunder. "Ein großer Burgunder ist Leidenschaft im Glas - er verführt: mit Duft, Vielfalt der Aromen, Körper, Struktur." Trotz aller Leidenschaft: Die charmante Sommelière ist ein ehrgeiziger Profi. An diesem Wochenende geht sie bei der Europameisterschaft in Reims an den Start, der Trophée Ruinart "Bester Sommelier Europas". Sie agiere sensorisch auf höchstem Niveau, bescheinigt ihr Alexander Kohnen, Direktor der Wein- und Sommelierschule Koblenz, an der Göbel ausgebildet wurde. Die Kandidatin gibt sich bescheidener: Man dürfe mit dem Lernen niemals aufhören, "unmöglich, jemals zur Perfektion zu gelangen".

Ihr Berufswunsch kristallisierte sich während der Lehre im Hotel Bareiss in Baiersbronn heraus. Die junge Frau war begeistert von dem "phantastischen Keller". Ursprünglich hatte sie nach einem Amerikaaufenthalt Abitur machen wollen. Aber dann hätte sie sich wieder mit Chemie beschäftigen müssen. Und die einzige Chemie, die Göbel interessiert, ist die zwischen Menschen: "Die muss stimmen."

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