Unter Beschuss
Israels Armee umstellt Arafats Amtssitz

Nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag hat die israelische Armee am Donnerstag palästinensischen Angaben zufolge in Ramallah im Westjordanland den Amtssitz von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat umstellt.

rtr RAMALLAH. Berater von Arafat sagten, der Gebäudekomplex, in dem sich auch das Schlafgemach Arafats befände, sei durch den Beschuss der Armee schwer beschädigt worden, aber Arafat sei unversehrt. Palästinensischen Sicherheitskreisen zufolge starb ein Geheimdienstoffizier und mindestens sechs Menschen wurden verletzt.

Israelische Militärkreise erklärten, sie hätten den Amtssitz umstellt und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften im Gebäude. Augenzeugen berichteten, die Armee sei nicht ins Zentrum Ramallahs eingerückt, sondern nur in das Hauptquartier außerhalb des Stadtzentrums. Zu Beginn des militärischen Vorstoßes seien Kampfjets über die Stadt geflogen. Danach kreisten für kurze Zeit Kampfhubschrauber über Ramallah.

Der palästinensische Informationsminister Jasser Abed Rabbo sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dieser Angriff sei ein weiterer Hinweis auf den umfassenden Krieg Israels gegen die Palästinenser-Regierung. "Alle politischen Schritte (zur Wiederbelebung der Friedensgespräche) werden nutzlos sein, außer die Vereinten Nationen entsenden eine Schutztruppe für die Palästinenser-Gebiete."

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hatte am Vortag einen Bombenanschlag auf einen Bus verübt. Das mit Sprengstoff vollgepackte Auto sei am Morgen im Berufsverkehr an einer Straßenkreuzung bei Megiddo nah am Bus gesprengt worden, teilte die Polizei mit. Nach Polizeiangaben starben 16 Menschen, israelischen Medienberichten zufolge gab es 17 Tote. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden. In dem Bus waren Soldaten und Zivilisten auf dem Weg von Tel Aviv nach Tiberias am See Genezareth. Zu der Tat bekannte sich die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad Wenige Stunden nach dem Anschlag waren israelische Panzer in Dschenin eingerückt.

Die Palästinenser-Regierung verurteilte die Tat und wies den Vorwurf zurück, sie stecke hinter dem Anschlag. Aus palästinensischen Regierungskreisen verlautete, ein Beschluss der Regierung Arafats sehe vor, Mitglieder des Islamischen Dschihads (Heiliger Krieg) festzunehmen, sollte bewiesen werden, dass die Organisation für die Tat verantwortlich ist. Die israelische Regierung wirft Arafat vor, nichts gegen militante Palästinenser zu unternehmen.

Der Anschlag unweit der Stadt Dschenin fiel auf den 35. Jahrestag des Beginns des Sechs-Tage-Krieges von 1967, in dem Israel das Westjordanland, Ost-Jerusalem und den Gaza-Streifen besetzte. Es war der schwerste Anschlag seit dem Ende einer rund sechswöchigen Offensive der israelischen Armee im Westjordanland. Israel hatte die Offensive am 10. Mai offiziell eingestellt und sie als erfolgreichen Schlag gegen den Terrorismus bezeichnet. Bei der Offensive hatte die Armee auch Arafats Hauptquartier gestürmt und ihn mit seinen engsten Beratern auf wenige Büroräume zurückgedrängt. Israel beendete die Belagerung am 2. Mai.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hatte nach dem Anschlag seine Abreise in die USA um einen Tag auf Samstag verschoben. Er soll am Montag mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen. US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer verurteilte den Anschlag und kritisierte Arafat. Nach Ansicht des Präsidenten habe Arafat nie die Rolle von jemanden eingenommen, der vertrauenswürdig und effektiv sei, sagte Fleischer.

Anfang der Woche hatte der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, mit Scharon und Arafat über ein Ende der Gewalt beraten und eine Reform der palästinensischen Sicherheitskräfte angeregt. Israel macht die Wiederaufnahme der Friedensgespräche von einem Ende der Gewalt und Reformen der Palästinenser-Regierung abhängig.

Seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes Ende September 2000 sind mindestens 1381 Palästinenser und 502 Israelis ums Leben gekommen.

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