Unter dem Dach der Börse wollen die Frankfurter Großbanken eine Abwicklungsfabrik ins Leben rufen
Börse und Banken kooperieren

Unter dem Eindruck der Ertragsflaute wollen Deutsche und Dresdner Bank sparen. Außer im Zahlungsverkehr wollen sie nun auch bei der Abwicklung von Wertpapiergeschäften ihre Kräfte bündeln.

HB FRANKFURT/M. In der Wertpapierabwicklung in Deutschland bahnt sich eine lang erwartete Konsolidierung an. Die Deutsche Börse prüft gemeinsam mit der Deutschen und der Dresdner Bank die Gründung einer Abwicklungsbank. Eine Entscheidung soll bis zum Herbst fallen. Auch die Commerzbank erwägt nach Angaben eines Sprechers die Beteiligung zu einem späteren Zeitpunkt. Darüber hinaus laufen bereits Gespräche mit weiteren Interessenten, zu denen nach Informationen aus Finanzkreisen auch ausländische Banken zählen sollen.

Die Banken stehen wegen der miserablen Ertragslage unter dem Zwang, die Kosten senken zu müssen. Gerade im so genannten Back Office, das sich um die Abwicklung der Geschäftsvorgänge der Institute kümmert, besteht nach Ansicht von Experten enormes Sparpotential. Bisher leisten sich die Großbanken jeweils eigene Abwicklungssysteme. Dies ist wenig effizient, weil die Verarbeitung von Wertpapiertransaktionen ein reines Mengengeschäft ist - durch eine Bündelung auf einer einzigen Plattform würden die Kosten deutlich sinken. Zudem könnten die Investitionen für die Entwicklung neuer Systeme gemeinsam geschultert werden.

In der Vergangenheit gab es bereits diverse Anläufe für eine Zusammenarbeit, die aber im Sande verliefen. In aller Regel konnten sich die Beteiligten nicht auf ein gemeinsames System verständigen. Erst im Februar platzten Gespräche der drei Frankfurter Großbanken über eine Abwicklungsbank.

Diesmal werden die Chancen auf eine Einigung höher eingeschätzt. In der Branche wird insbesondere auf die Beteiligung der Börse verwiesen, die als "neutrale Stelle" fungiere und so möglichen Eifersüchteleien der Banken einen Riegel vorschieben könnte. Die technologische Basis des neuen Unternehmens soll offenbar das System DB Trader der Abwicklungstochter der Deutschen Bank, ETB (European Transaction Bank), bilden. Es soll um Elemente des Geos-Systems der Dresdner Bank ergänzt werden. Experten veranschlagen den Zeitraum für die Entwicklung einer neuen Abwicklungsplattform auf ein bis zwei Jahre. Zur Höhe der potenziellen Einsparungen wollten sich die Banken nicht äußern. Auch die Beteiligungsverhältnisse seien noch offen, hieß es.

Neues Geschäftsfeld

Die Deutsche Börse ihrerseits erschließt sich auf diese Weise ein neues Geschäftsfeld. Börsenchef Werner Seifert hatte Anfang des Jahres im Handelsblatt erstmals Interesse an Kooperationen mit den Back Offices der Banken bekundet. Später hatte die bws Bank, die für die genossenschaftlichen Banken die Abwickung übernimmt, die Idee einer Abwicklungsbank für die gesamte Branche unter dem Dach der Börse lanciert, deren Nukleus die bws Bank darstellen sollte. Ob sich die bws Bank dem jetzt anvisierten Modell anschließen will, ist nicht bekannt.

Nach Ansicht von Marktkennern könnte die neue Abwicklungsbank, die Konkurrenten wegen ihrer schieren Größe unter Druck setzten. Neben der bws Bank tummeln sich auf diesem Feld etwa die Abwicklungstochter der Hypo-Vereinsbank (HVB), die Financial Markets Service Bank, sowie diverse Unternehmen aus dem Sparkassenlager. In Finanzkreisen hieß es, dass bei der HVB die Beteiligung an der neuen Abwicklungsbank derzeit nicht in der Diskussion stehe.

Außer in der Wertpapierabwicklung wollen Deutsche und Dresdner auch bei der Verarbeitung des Zahlungsverkehrs ihre Kräfte bündeln. Einzelheiten dieser Kooperation sollen bis zum Jahresende festgezurrt werden. Als dritter Partner wird vermutlich die HVB hinzustoßen. Urspünglich sollte die Aufnahme der HVB schon im Juni bekannt gegeben werden. Dieser Termin ließ sich zwar nicht einhalten, doch seien die Gespräche auf gutem Weg, heißt es. Eine endgültige Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet. Auch die Commerzbank und die DZ Bank sprechen über eine Kooperation im Zahlungsverkehr.

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