Unter den Verkaufsrennern der Direktbanken finden sich häufig hauseigene Produkte
Bestseller für Anleger

Der "Investor" hat Direktbanken nach den meistverkauften Investmentfonds befragt. Vermögensberater bewerten das Ergebnis.

An der Börse kommt es - wie im täglichen Geschäftsleben - auf die richtige Strategie an. So genannte Antizykliker zum Beispiel gehen im Winter bei klirrender Kälte zum Motorradhändler und schlagen beim Fahrzeugkauf einen stattlichen Rabatt heraus. Zykliker hingegen schließen trotz saftiger Preise den Kaufvertrag für das begehrte Zweirad erst im Frühjahr ab.

"Jeder Anleger weiß, dass er sich antizyklisch verhalten muss, um an der Börse erfolgreich zu sein. In der Praxis aber lassen sich die Anleger von Emotionen leiten - zum eigenen Schaden", konstatiert Jasmin Nezirevic von der SJB Investment-Beratung in Korschenbroich bei Düsseldorf. So seien viele Privatanleger durch die verhaltene Stimmung an der Börse verunsichert und zögerten, die "zum Teil traumhaft niedrigen Aktiennotierungen auszunutzen."

Eine Umfrage des "Investors" unter Direktbanken bestätigt diese Aussage. So finden gegenwärtig Geldmarktfonds, Rentenfonds und offene Immobilienfonds reißenden Absatz. Sinkende Orderzahlen sind dagegen bei Aktienfonds, insbesondere bei Branchenfonds, zu verzeichnen.

Michael Friebe, Partner der Fondsconsult Asset Management AG in München, ist nicht verwundert, dass die Bereitschaft, etwa in Technologiefonds zu investieren, zurzeit gegen Null tendiert. "Viele Anleger haben noch große Verlustpositionen im Depot - beispielsweise bei Fonds, die auf den Neuen Markt ausgerichtet sind." Dennoch ist es auch seiner Meinung nach längst wieder an der Zeit, sich an den Aktienmärkten zu engagieren. Eine Beimischung von Anteilen an Technologie- und Telekommunikationsfonds sei zudem aussichtsreich. Bei einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren empfiehlt Friebe eine Aktienquote von 70 Prozent, maximal 30 Prozent sollten dagegen in Rentenfonds und offenen Immobilienfonds angelegt sein.

"Statt Geldmarktfonds zu kaufen, sollten Anleger eher Liquidität abbauen und in Aktienfonds investieren", meint auch Andrea Wehner von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Die Leiterin der Fondsvermögensverwaltung und des Fondsresearch geht von einer deutlichen Erholung an den Aktienmärkten im zweiten Halbjahr aus. Sie rät Anlegern mit langfristiger Perspektive aktuell zu einer Aktienfondsquote von 60 bis 70 Prozent.

Den europäischen Aktienmärkten räumt Wehner besonders gute Chancen auf einen Kursanstieg ein. Dagegen sei das wichtigste Aktienbarometer in den USA, der Dow Jones, bereits jetzt fair bewertet. Anleger sollten daher europäische Aktienfonds übergewichten. "Wer die nötige Risikobereitschaft mitbringt, kann sich jetzt auch über breit gestreute Aktienfonds in den Schwellenländern engagieren", schlägt die Fondsspezialistin vor. Denn diese Länder reagierten schneller auf eine weltweite Konjunkturerholung.

Mit Rentenpapieren könnten Anleger in diesem Jahr allenfalls den Zinskupon verdienen, fügt die Finanzexpertin hinzu. Im Hinblick auf die bevorstehende Zinswende bestehe insbesondere für Anleihen mit langen Laufzeiten ein hohes Kursrisiko. Wer in Rentenfonds investieren wolle, sollte sich auf Produkte konzentrieren, die das Schwergewicht auf Papiere aus den Ländern der Euro-Zone sowie auf mittlere Laufzeiten legen. Interessant seien Fonds, die Unternehmensanleihen beimischten.

"Ich kann einerseits verstehen, dass die Anleger in ruhigere Gewässer wollen. Dennoch bezweifele ich, dass sie damit Erfolg haben werden", betont Wehner. Wer erst wieder einsteige, wenn die Aktienkurse oben seien, riskiere Verluste. Die Kritik der Expertin gilt in diesem Zusammenhang aber auch der Investmentbranche: "Die Fondsgesellschaften unterstützen durch ihre Geschäftspolitik das prozyklische Verhalten der Anleger geradezu", sagt Wehner. In Boomphasen wie im Frühjahr 2000 - kurz vor dem Platzen der Spekulationsblase - seien noch reihenweise Technologiefonds aufgelegt worden. In Zeiten wie jetzt - in denen ein Engagement in Aktienfonds mit einem Fokus auf wachstumsstarke Technologiewerte durchaus Sinn mache - würden hauptsächlich Garantieprodukte oder indexorientierte Fonds auf den Markt kommen.

Wenn Anleger sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, zum falschen Zeitpunkt ein- oder auszusteigen, sollten sie regelmäßig - etwa über einen Sparplan - investieren, sind sich die Vermögensberater einig. "Auf diese Weise erwirbt der Anleger die Anteile zu niedrigen Durchschnittspreisen und riskiert nicht, sich zu Spontankäufen hinreißen zu lassen", ergänzt Fondsconsult-Partner Friebe. Zu den Geschäftsbereichen des Münchener Unternehmens zählt neben der Fondsvermögensverwaltung auch das Fondsresearch. "Wir untersuchen die Fonds nicht nur im Hinblick auf ihre Vergangenheitsdaten, sondern versuchen, die Nachhaltigkeit und Kontinuität der Ergebnisse einzuschätzen", erklärt der Anlageberater. Von den gegenwärtig mehr als 5 000 Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, stehen lediglich 200 auf der Empfehlungsliste der Münchener Anlagespezialisten. "Davon tauchen eine Reihe von Fonds auch in den Verkaufshitlisten der Direktbanken auf", bestätigt Friebe und bescheinigt den Privatanlegern in einigen Fällen "eine durchaus gute Fondsauswahl".

Das sehen die Kollegen der Anlageberatung Fondskapital ähnlich. Sie warnen allerdings davor, sich bei der Kaufentscheidung durch Rabatte bei Ausgabeaufschlägen beeinflussen zu lassen. "Wer seine Fonds häufig umschichtet, fährt - je nach Kostenmodell - bei vielen Vermögensberatern auf die Dauer günstiger als bei einer Direktbank", meint Iris Albrecht, Vorstandsmitglied bei Fondskapital. Viel wichtiger sei zudem die Zusammenstellung eines ausgewogenen Fondsportfolios, das individuell auf die Risikobereitschaft des Anlegers zugeschnitten sei, betont die Anlageexpertin. Beratung sei dabei unerlässlich.

Auffällig sei auch, dass unter den Verkaufsrennern der Direktbanken häufig hauseigene Produkte zu finden seien, gibt Albrecht zu bedenken. Als Beispiel führt sie die "Top Ten" der Allgemeinen Deutschen Direktbank (DiBa) an: Neben sieben hauseigenen Direktfonds, die im Vergleich zur Konkurrenz "eher unterdurchschnittlich" liefen, seien dort ausschließlich Baring-Fonds zu finden. Baring Asset Management ist eine Tochtergesellschaft der ING Group, die wiederum Hauptgesellschafter der DiBa ist. "Das spricht nicht gerade für eine unabhängige Beratung", so Albrecht.

Kritisch stehen die Finanzexperten auch den Marketingaktionen einiger Investmentgesellschaften gegenüber. "Wenn für einen Fonds kräftig die Werbetrommel gerührt wird, ist das noch lange kein Beweis für dessen Qualität", warnt SJB-Berater Nezirevic.

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