Unter Experten wächst der Zweifel an einer schnellen wirtschaftlichen Erholung
US-Notenbanker sind uneins über die Konjunktur

Ein Ende der Kriegssorgen würde laut Notenbankchef Greenspan das Haupthindernis für die US-Konjunktur beseitigen. Doch der Fed-Gouverneur von New York, McDonough, betont, es gebe auch andere belastende Faktoren. Volkswirte vermuten dahinter interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fed.

NEW YORK. William McDonough, Gouverneur der regionalen Notenbank von New York, ist seit vielen Jahren ein vertrauter Weggefährte von Alan Greenspan, dem Chef US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Dass beide öffentlich unterschiedliche Meinungen vertreten, kommt sehr selten vor. Um so mehr überraschten McDonoughs jüngste Aussagen zu den Gründen der US-Konjunkturflaute.

"Ich habe die Sorge, dass die Unternehmen nicht nur unter der geopolitischen Unsicherheit leidet, sondern auch unter der Vorsicht der Investoren und Kreditgeber", sagte McDonough in einer Rede. Anders klang das jüngste Urteil des zinspolitischen Entscheidungsgremiums der Fed, des Federal Open Market Committee. Diesem gehört auch McDonough an: Die geopolitischen Risiken seien der Hauptgrund für die schwache US-Konjunktur, betonte der von Greenspan geführte Rat am Dienstag.

Die unterschiedlichen Akzente deuten auf Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern der Fed hin, meint Peter Hooper, US-Chefökonom der Deutschen Bank in New York.

"Offenbar konnten sie sich bei ihrer jüngsten Sitzung nicht auf eine Konjunktureinschätzung verständigen", sagt Hooper. So lasse sich erklären, dass die Fed nach ihrer Sitzung am Dienstag nicht wie üblich die Risiken für die US-Geldpolitik bewertete.

Diese Einschätzung der "Balance Of Risks" dient normalerweise als Hinweis auf mögliche künftige Zinsschritte. Statt dessen erklärten die Währungshüter, die hohen geopolitischen Risiken machten derzeit eine sinnvolle Bewertung des Konjunkturausblick unmöglich. Die Fed beließ den US-Leitzins am Dienstag bei 1,25 %, dem niedrigsten Stand seit 41 Jahren.

Auch Volkswirte streiten darüber, wie stark der Irakkonflikt die US-Wirtschaft drückt. Davon hängt ab, ob die Konjunktur nach einem schnellen Krieg wieder anspringt. In diesem Fall dürften auch die historisch niedrigen Leitzinsen aufwärts tendieren. Kommt die Konjunktur jedoch nach dem Krieg nicht auf Touren, dann erwarten Experten weitere Zinssenkungen und womöglich sogar drastischere, unkonventionelle Maßnahmen der Fed, um die Konjunktur anzukurbeln.

Die meisten Experten äußern sich bislang optimistisch. "Wenn die geopolitischen Unsicherheiten schwinden, wird als erstes der Ölpreis weiter fallen, zudem klettern die Aktienmärkte, und Unternehmen können leichter Kapital aufnehmen", sagt Deutschbanker Hooper. Außerdem dürfte die schwindende Angst vor neuen Attentaten das Verbrauchervertrauen und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärken. Hooper tippt auf eine annualisierte Wachstumsrate von 4 % in der zweiten Jahreshälfte, gegenüber 2 % im ersten Halbjahr. Die Fed dürfte die Zinsen leicht anheben, sobald sich die Wirtschaft stabilisiert, schätzt er.

Doch während die militärische Lösung des Irakkonflikts näher rückt, wachsen unter Ökonomen die Zweifel an diesem positiven Szenario. "Viele Faktoren, die die US-Konjunktur belasten, bleiben bestehen", sagt Jan Hatzius, US-Volkswirt der Investmentbank Goldman Sachs in New York. Die politischen Risiken würden oft als "Ausrede" für die Flaute der US-Wirtschaft benutzt.

In seiner jüngsten Rede dämpfte Fed-Gouverneur McDonough ebenfalls allzu hohe Erwartungen. McDonough verwies auf die Nachwirkungen des Börsenbooms der 90er Jahre. "Die Folgen der geplatzten Spekulationsblase haben sich als unerwartet langfristig und stark erwiesen", sagte er. Damit scheint der bereits gestartete Aufschwung an den Finanzmärkten in Frage gestellt.

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