Unterdeckung bei niederländischen Altersvorsorgeeinrichtungen
Aufsicht legt Pensionsfonds an die Leine

Die niederländische Aufsichtsbehörde will die Anforderungen an die Reserven der Pensionsfonds verschärfen. Darüber wird die Pensions- und Versicherungskammer (PVK) die Institute in diesen Tagen informieren.

BRüSSEL. In den Niederlanden sind Pensionsfonds fester Bestandteil der Altersversorgung. Sie gehören zu den größten Fonds der Welt. Durch die Krise an den internationalen Kapitalmärkten haben jedoch auch sie viel Kapital verloren. Bei vielen der Pensionsfonds ist zweifelhaft, wie lange sie ihre Verpflichtungen noch erfüllen können. Bisher mussten sie nur genügend Kapital haben, um die derzeitigen Renten bezahlen zu können, das heißt eine Deckungsrate von hundert Prozent. Wird sie unterschritten, kann die PVK einschreiten. Wer weniger als 110% Deckung hat, ist in der "Gefahrenzone". Inzwischen sind 300 der rund 960 Betriebs- und Branchenpensionsfonds in diese Gefahrenzone gerutscht. Ein großer Teil werde am Jahresende eine Deckung von weniger als 100% haben, erwartet das Planbüro CPB, das die niederländische Regierung berät. Echte Konkurse drohen nach Meinung von Analysten zwar nicht, denn noch hätten die Institute genug Geld. Das Pensionssystem sei aber "technisch bankrott", meinte das NRC Handelsblad.

Es rächt sich, dass die Fonds in den Hausse-Jahren nicht die Reserven erhöhten, sondern auf Prämienzahlungen verzichteten und in manchen Fällen sogar Gewinne an "ihre" Unternehmen zurückgaben. Jetzt steigen die Prämien für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und es gibt für die Pensionäre kaum Inflationsausgleich.

Die PVK plant daher detaillierte Normen für Notreserven, die Kursstürze auffangen sollen. Wenn Fonds die Regeln übertreten, soll es ein "Bußgeld" geben. Die von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern geführten Pensionsfonds interpretieren den Brief als Aufforderung, Aktienvermögen zu verringern. Das stößt auf Kritik, denn PVK-Vorsitzender Dirk Witteveen hatte früher gesagt, Aktienverkäufe zur Aufstockung der Reserven würden nicht verlangt.

"Verkäufe langfristig nachteilig"

Aus der Sicht der Fonds würden solche Verkäufe bei den niedrigen Kursen kaum helfen und seien langfristig nachteilig, da Fonds nicht mehr an den erwarteten Kurssteigerungen teilhaben könnten. Darauf aber setzen die Fonds: In den zurückliegenden acht Quartalen kauften sie laut Statistikamt CBS für 50 Mrd. Euro Aktien zu. Die Niederländer investierten seit Jahren verstärkt in Aktien. Darauf entfielen 2001 durchschnittlich 45% des verwalteten Vermögens von 400 Mrd. Euro.

Die Vereinigung der Branchenpensionsfonds hält wenig von schärferen Regeln. "Ein Deckungsgrad von 100% ist prächtig. Und hat man wenig Pensionäre zu versorgen, reichen auch 90%. Dann wäre es Unsinn, Aktien verkaufen zu müssen, um die Reserven hoch zu halten", meinte VB-Direktor Peter Borgdorff. Allgemeine Regeln seien nicht sinnvoll, da die Fonds zu verschieden seien.

Witteveen fordert auch, dass Pensionsfonds selbst und notfalls täglich angeben, ob sie sich der Gefahrenzone nähern. Das muss die PVK bislang außerhalb der obligatorischen Quartalsberichterstattung erfragen. In Kooperation mit den Instituten und Dachverbänden will sie zu einer klareren Aufsicht kommen.

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